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Silvesterfeuerwerk vor der Kulisse des Vulkans Mayon. Die jüngste Eruptionsperiode, die seit September 2009 andauert, war zum Jahreswechsel so weit abgeklungen, dass Feuerwerksraketen für Krach und Lichteffekte sorgten - und nicht der im Hintergrund aufragende Feuerberg.


Wegen seines nahezu perfekt geformten Kegels gilt der Mayon als einer der schönsten Vulkane weltweit. Er überragt den Golf von Albay mit der Küstenstadt Legaspi.
(Bilder: Phivolcs)


Aktuelles Satellitenbild vom Mayon: Gut erkennbar sind die vielen Tiefenlinien, in denen Pyroklastische Ströme und Schlammströme abgingen.
Foto: NASA (15. Dezember 2009)


Ende November 2006, Wochen nach den vorgängigen Eruptionen, mobilisierten starke Regenfälle die unverfestigten vulkanischen Lockermaterialien zu wuchtigen Schlammströmen, die weite Gebiete am Fuss des Mayon überfuhren und zahlreiche Opfer forderten.
Karte: UNOSAT

Vulkan des Monats Januar: Mayon

Philippinen
13.26°N, 123.69°E
0703-03 (Laufnummer Global Volcanism Program)
Gipfelhöhe: 2462 mü.M.
Kurzcharakteristik: Stratovulkan


Der Mayon, der 330 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Manila den Golf von Albay und die Küstenstadt Lagaspi überragt, hat ganz verschiedene Gesichter. Einerseits ist er wegen seiner nahezu perfekten Kegelform ein touristischer Anziehungspunkt und ein beliebtes Fotosujet. Andererseits war er immer wieder Schauplatz folgenschwerer Eruptionen. Denn die Tätigkeit des Mayon gipfelt besonders häufig im Abgang pyroklastischer Ströme.

Bei pyroklastischen Strömen handelt es sich um ein Gemenge aus heissen, gasförmigen Ausdünstungen einerseits und festen und oft auch flüssigen Gesteinstrümmern unterschiedlicher Korngrösse andererseits, das als glühende Wolke mit rasender Geschwindigkeit bodennah und oft den Tiefenlinien folgend die Vulkanflanke hinunterfegt und das sich - von der Gasmasse getragen - selbst in ebenem Gelände oder auf einer Wasserfläche noch kilometerweit ausbreiten kann. Für diesen Prozess, der meist vom Zusammenbruch von Staukuppen oder Eruptionssäulen verursacht wird, sind auch die Begriffe Glutlawine, Glutwolke oder Nuee ardente (glühende Wolke) gebräuchlich.

Pyroklastische Ströme dürften vermutlich im Jahr 1814 eine entscheidende Rolle gespielt haben, als ein schwerer Ausbruch (mit einem VEI von 4) mehrere Siedlungsgebiete am Fuss des Mayon erfasste und mehr als 1200 Menschen tötete. Auch im Jahr 1897 forderten solche Prozesse zahlreiche Opfer (um die 400), ebenso im Jahr 1993 (um die 70, damals wogte ein pyroklastischer Strom aus dem Bonga Gully zu Tal).

Nach den Ereignissen im Jahr 1993 blieb der Mayon ein paar Jahre lang ruhig. Doch im Juni 1999 mussten erneut einige Ortschaften am Fusse des Vulkans evakuiert werden, nachdem Explosionen eingesetzt hatten und sich im Gipfelkrater eine Staukuppe aufbaute. Monatelang blieb damals ungewiss, wie sich die Situation weiter entwickeln würde. Allmählich verliessen die Menschen die eingerichteten Notunterkünfte und kehrten wieder in ihre Häuser und auf ihre Felder zurück. Doch bereits im Frühjahr 2000 trieben beeindruckende Ausbrüche erneut Zehntausende in die Flucht.

Seither verging am Mayon kein Jahr mehr ohne vulkanische Aktivitäten. Immer wieder kam es vor, dass leuchtende Glutfontänen aus dem symmetrisch geformten Gipfel spritzten, pyroklastische Ströme über seine steilen Flanken wirbelten, Lavaströme vordrangen oder kilometerhohe Eruptionssäulen über dem Krater aufstiegen. Aus diesen dunkelgrauen Wolken fiel jeweils ein dichter Niederschlag vulkanischer Aschen, der die Landschaft zudeckte.

Damit wuchs auch eine heimtückische Gefahr, die jeweils über den eigentlichen vulkanischen Ausbruch hinaus andauert: Aus den an steilen Hängen angehäuften Aschen- und Lockergesteinsmassen können sich während starker Regenfälle mächtige Schlammströme lösen, die mit grosser Geschwindigkeit und zerstörerischer Wucht bis weit ins dicht besiedelte Umland vorstossen. Dieser Prozess wird nach indonesischem Vorbild als Lahar bezeichnet.

Welche dramatischen Folgen solche Sekundäreffekte haben können zeigte sich im Jahr 2006. Während der heftigen vulkanischen Eruptionen, die monatelang anhielten, kam dank rechtzeitiger Ausweitung der Gefahrenzone und entsprechender Evakuation niemand unmittelbar ums Leben. Doch dann, Wochen nach dem Abklingen der vulkanischen Tätigkeit, zog der Taifun Durian über die Philippinen. Durch die enormen Regenfälle, die mit diesem Wetterereignis einhergingen, lösten sich Ende November 2006 am Mayon zahlreiche Schlammströme, die mehrere Dörfer erfassten und mindestens 720 Menschen töteten.

Deshalb bleibt auch jetzt ungewiss, wie sich die weitere Lage am Mayon entwickelt. Die bislang jüngste Eruptionsperiode hatte im September 2009 vollends eingesetzt, und zeitweise mussten beinahe 50000 Menschen aus den Gefahrenzonen evakuiert werden. Inzwischen hat sich die Lage aber soweit entspannt, dass ein Grossteil dieser Leute die Notunterkünften wieder verlassen konnte (Stand 12. Januar 2010).









Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im Januar 2010 tätige Vulkane:

Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Kljutschewskoj, Kamtschatka/Russland
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Mayon, Philippinen
Rinjani, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea
Rabaul, Neubritannien
Gaua, Vanuatu
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Colima, Mexiko (Dauertätigkeit)
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala
Concepcion, Nicaragua
Arenal, Costa Rica (Dauertätigkeit)
Turrialba, Costa Rica
Nevado del Huila, Kolumbien
Galeras, Kolumbien
Tungurahua, Ecudaor
Sangay, Ecuador (Dauertätigkeit)
Chaiten, Chile
Soufriere Hills, Montserrat
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyamuragira, Kongo
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Piton de la Fournaise, Reunion
Barren Island, Andamanen
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
Volcano Hazards Program
Volcano Live/John Seach
Volcano World
NASA Earth Observatory
International Volcano Research Center
SVEUROP

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