Redaktion & Produktion


Vulkan des Monats Oktober:
Uturuncu (Bolivien)
Kartengrundlage:
Mineralienatlas.de


Trotz seiner Gipfelhöhe von über 6000 Metern gilt der Uturuncu als einfach zu besteigender Berg, denn der Fahrweg zu einer alten Schwefelmine führt bis auf wenige hundert Höhenmeter an den Hauptgipfel (rechts) und an den 5930 Meter hohen Nebengipfel heran.


Blick vom Gipfel des Uturuncu auf den Altiplano im Südwesten Boliviens.
Fotos: Pisano

Vulkan des Monats Oktober: Uturuncu

Bolivien
22.27°S, 67.18°W
Laufnummer Global Volcanism Program: -
Gipfelhöhe: 6008 mü.M.
Kurzcharakteristik: Stratovulkan

Die häufig gestellte Frage, ab wann ein Vulkan erloschen sei, ist kaum zu beantworten. Eine präzise und allgemein verbindliche Antwort gibt es jedenfalls nicht. Denn oft genug haben Vulkane, die als erloschen galten, durch ihr unerwartetes Wiedererwachen überrascht, und das nicht selten mit fatalen Folgen: etwa 1951 in Neuguinea (Mount Lamington), 1982 in Mexiko (El Chichon), 1995 auf der Karibikinsel Montserrat (Soufriere Hills) oder, als aktuelles Beispiel, der Ontake in Japan.

Manche Vulkane und Vulkangebiete sind während Hunderttausenden von Jahren tätig, wobei mehr oder weniger lange Ausbruchsperioden mit Ruhepausen abwechseln, die ihrerseits Tausende von Jahren andauern können. Ein solches Beispiel ist der Vulkan Uturuncu, der im Südwesten Boliviens, nahe der Grenze zu Argentinien, mehr als 6000 Meter hoch aufragt. Er besteht hauptsächlich aus Daciten, also Gesteinen mit saurem Chemismus, die einen sehr hohen Anteil an Siliziumdioxid enthalten und von einer hochexplosiven Eruptionsgeschichte zeugen. Durch eine geochronologische Analyse (Argon-Argon-Methode) dieser Gesteine konnte nachgewiesen werden, dass die entscheidende vulkanische Tätigkeit einen Zeitraum abdeckte, der vor 890000 Jahren begann und vor 271000 Jahren endete.

Seither gab es offenbar keine nennenswerten vulkanischen Ereignisse mehr an diesem markanten Berg, und nach dieser langen Ruhepause sollte man eigentlich annehmen, dass dieser Vulkan endgültig erloschen sei. Doch dem ist nicht so, denn in jüngerer Zeit mehrten sich die Anzeichen erneuter Unruhe. Eine Gruppe um den englischen Vulkanologen Stephen J. Sparks berichtete bereits 2008 im American Journal of Science (Vol. 308, Juni 2008) von messbaren Verformungen des Uturuncu: Zwischen 1992 und 2006 sei er in seinem zentralen Bereich Jahr für Jahr um mehrere Zentimeter angeschwollen, und dieser Hub halte weiterhin an.

Dass die lange Ruhephase keineswegs bedeute, dass der Vulkan tot ist, schrieben jüngst auch Forscher um Matt Pritchard, Geophysiker an der Cornell University in den USA, im Blog der American Geophysical Union (AGU). Auch andere Vulkane in den Anden hätten Hunderttausende Jahre zwischen ihren Ausbrüchen pausiert.

Solche Veränderungen der Erdoberfläche, so gering sie auf den ersten Blick auch erscheinen mögen, sind Anzeichen für einen Prozess, der vielen Vulkaneruptionen vorangeht: den relativ langsamen Aufstieg von Magmen durch die Erdkruste. In diesem Fall wird angenommen, dass Magma aus einer in 17 bis 30 Kilometer Tiefe liegenden Magmakammer aufsteigt und inzwischen bis auf 4 Kilometer an die Erdoberfläche vorgedrungen ist. Das Potenzial für einen grösseren Ausbruch ist somit auch beim Uturuncu vorhanden, selbst nach einer Ruhepause von 271000 Jahren.






Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im August 2014 tätige Vulkane

Bardarbunga, Island
Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Zhupanovsky, Kamtschatka/Russland
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Chirpoi, Südliche Kurilen
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Kuchinoerabu-jima, Japan
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Nishino-shima, Japan
Sinabung, Indonesien
Marapi, Indonesien
Slamet, Indonesien
Semeru, Indonesien
Sangean Api, Indonesien
Paluweh (Rokatenda), Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Ibu, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea (Dauertätigkeit)
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville (Dauertätigkeit)
Tinakula, Salomonen (Dauertätigkeit)
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Shishaldin, Alaska/USA
Colima, Mexiko
Popocatepetl, Mexiko
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala
San Miguel, San Salvador
Poas, Costa Rica
Reventador, Ecuador
Tungurahua, Ecuador
Sangay, Ecuador (Dauertätigkeit)
Ubinas, Peru
Sabancaya, Peru
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyamuragira, Kongo
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Heard Is., Australien
Barren Is., Indien
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP


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