Redaktion & Produktion


Vulkan des Monats Februar:
Hunga Tonga & Hunga Ha’apai (Tonga-Archipel)
Kartengrundlage:
mineralienatlas.de


Die Inselwelt Tongas (Foto) ist immer wieder Schauplatz untermeerischer vulkanischer Ereignisse.
Foto: Felix Frank


Die kleinen Inseln Hunga Tonga und Hunga Ha’apai markieren die Spitze eines riesigen untermeerischen Vulkans.
Grafik: Culture Volcan


Situation am 2. Juli 2014: Hunga Ha’apai (links) und Hunga Tonga (oben rechts).
Satellitenbild: Pleiades/CNES


Gleicher Bildausschnitt am 19. Januar 2015: Das Neuland (im Zentrum) ist inzwischen mit Hunga Ha’apai (links, teilweise durch Wolken verdeckt) zusammengewachsen.
Satellitenbild: Pleiades/CNES


Eruptionsstelle am 13. Januar 2015.
Foto: New Zealand High Commission, Tonga


Aktuelle Eruptionsstellen im Bereich der Tonga-Inseln.

Vulkan des Monats Februar: Hunga Tonga & Hunga Ha’apai

Tonga
20.57°S, 175.38°W
Laufnummer Global Volcanism Program: 0403-04
Gipfelhöhe: 149 mü.M. (Hunga Tonga)
Kurzcharakteristik: untermeerische Caldera

Zu Jahresbeginn ist im Südpazifik, in der Nähe der beiden Inseln Hunga Ha’apai und Hunga Tonga, eine neue Insel entstanden. Schon bald ist die neue Landmasse sogar so gross geworden, dass sie mit Hunga Ha’apai zusammengewachsen ist. Bislang waren aber nur spärliche Informationen über diesen Ausbruch erhältlich.

Demnach hatte die seismische Unruhe in diesem unbewohnten Gebiet im Tonga-Archipel, das schon 1912, 1937, 1988 und 2009 Schauplatz untermeerischer Eruptionen gewesen ist, seit November 2014 laufend zugenommen. Erste sichtbare Anzeichen für einen erneuten Ausbruch gab es schliesslich am 19. Dezember 2014: Fischer berichteten von auffälligen Wasserverfärbungen und Gasaustritten, und kurz darauf konnten erstmals Dampfwolken fotografiert werden, die an der betreffenden Stelle in den Himmel stiegen.

Richtig in Fahrt kam die Eruption aber offenbar erst zu Jahresbeginn: Die grösseren Brocken schossen kometenhaft aus dem brodelnden Meer, wobei sie bei ihrem Flug dunkle Rauchfahnen hinter sich herzogen, und die feineren Partikel zerstäubten in Aschenwolken. Am 6. Januar 2015 sichtete ein Pilot eine 3 Kilometer hohe Aschenwolke, nach dem 11. Januar stiegen die Aschenwolken bis auf eine Höhe von 9 Kilometern. Der internationale Luftverkehr wurde umgeleitet, der lokale Luftverkehr zeitweise sogar eingestellt.

Schon bald hatte sich an der Ausbruchsstelle so viel Fördermaterial angehäuft, dass sich auch übermeerisch ein immer grösser werdender Wall aufbaute. Rund 120 Meter hoch ist er geworden, und das bei einer Ausdehnung von knapp 2 Kilometern. Doch Lavaströme, welche die lockeren Förderprodukte und Schlacken dauerhaft verfestigen könnten, sind bisher nicht ausgeflossen.

Es sieht auch nicht so aus, als ob das noch geschehen würde. Denn die eruptive Tätigkeit hat inzwischen bereits wieder aufgehört. Deshalb wird vor Ort auch nicht damit gerechnet, dass dieses Neuland allzu lange Bestand haben wird. Starke Winde fegen die feinen Förderprodukte weg, und an den Ufern nagt unaufhörlich die See. So wird man vermutlich schon in wenigen Monaten über der Wasseroberfläche nicht mehr viel sehen von diesem Ereignis.

Dafür gibt es vielleicht weiter nördlich im Tonga-Archipel einen neuen untermeerischen Ausbruch: Laut einer Meldung des Nachrichtenportals Matangi Tonga Online vom 11. Februar 2015 haben Piloten am 9. Februar 2015 einen Eruptionsherd 20 Kilometer südwestlich der unbewohnten Insel Late entdeckt. Dort soll eine 600 Meter hohe Dampfwolke sichtbar gewesen sein.

Offensichtlich handelt es sich bei der betreffenden Lokalität um das Home Reef (GVP-Laufnummer 0403-08). Dort hatte 1984 nach einer untermeerischen Eruption, bei der eine Aschen- und Dampfwolke 12 Kilometer hoch aufgestiegen ist, zeitweise eine Insel Bestand. Sie erreichte eine Länge von mehr als einem Kilometer, bevor sie wieder verschwand. Die Stärke der damaligen Ereignisse wird mit einem VEI 3 taxiert.

2006 folgte der nächste Ausbruch im Bereich des Home Reef. Er begann am 6. August, und die in den folgenden Tagen und Wochen geförderten Bimssteine wurden sogar noch im 350 Kilometer entfernten Fidschi-Archipel in grossen Mengen an die Ufer geschwemmt. Wiederum hatte sich an der Eruptionsstelle so viel Material angehäuft, dass sich zeitweise eine Insel von etwas mehr als einem Kilometer Länge halten konnte. Vielleicht tragen die aktuellen Eruptionen zur ihrer Neubildung bei. Noch ist allerdings nicht klar, wo sich der aktuelle Ausbruch genau ereignet und welche Materialen diesmal gefördert werden. Fotos sind noch keine greifbar, ebenso fehlt bis anhin - Stand 18. Februar 2015 - eine Bestätigung der jüngsten Meldung.











Und übrigens: Wer den Holuhraun-Ausbruch auf Island (Bárdarbungavulkan) von zuhause aus noch besser sehen möchte als bisher, hat nun die Möglichkeit dazu, denn es wurde eine neue Webcam aufgebaut. Mit dieser Kamera sieht man den Ausbruch aus einem neuen Blickwinkel (auf > Holuhraun 1 oder > Holuhraun 2 klicken in der Kopfzeile):
http://webcams.mogt.is


Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im Januar 2015 tätige Vulkane

Bardarbunga, Island
Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Zhupanovsky, Kamtschatka/Russland
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Kljutschewskoj, Kamtschatka
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Aso, Japan
Nishino-shima, Japan
Sinabung, Indonesien
Slamet, Indonesien
Semeru, Indonesien
Raung, Indonesien
Sangean Api, Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Soputan, Indonesien
Gamalama, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Ibu, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea (Dauertätigkeit)
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville (Dauertätigkeit)
Tinakula, Salomonen (Dauertätigkeit)
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Shishaldin, Alaska/USA
Colima, Mexiko
Popocatepetl, Mexiko
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala
San Miguel, San Salvador
Poas, Costa Rica
Turrialba, Costa Rico
Reventador, Ecuador
Tungurahua, Ecuador
Sangay, Ecuador
Copahue, Chile/Argentinien
Fogo, Kapverdische Inseln
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyamuragira, Kongo
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Heard Is., Australien
Barren Is., Indien
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP


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