Redaktion & Produktion


Vulkan des Monats September:
Makian (Indonesien)
Kartengrundlage:
Mineralienatlas.de


Auf der westlich von Halmahera liegenden Insel Makian ist der gleichnamige Vulkan berüchtigt für seine eher seltenen, aber meist sehr heftigen Ausbrüche.
Foto: Miura (2011)


Im steil einfallenden und nach Osten und Norden aufgebrochenen Gipfelkrater hat sich im Laufe der Zeit ein Lavadom aufgebaut.
Foto: Miura (2011)


1640 hat der niederländische Kartograf und Verleger Willem Janszoon Blaeu eine grossmasstäbige Karte der Molukken («Moluccæ insulæ celeberrimæ») herausgegeben, auf der auch die noch intakte Insel Makian dargestellt ist.
Bild (Ausschnitt genordet): Historic Maps Collection


1750 zeigt ein seeseitig aufgenommenes Panorama des französischen Kartographen Jacques Nicolas Bellin die zerklüftete Insel Makian nach dem Kollaps von 1646.
Bild (Ausschnitt): Historic Maps Collection


Geologische Karte von Halmahera samt vorgelagerten Inseln.
Quelle: Grant Davey, Dan Olberg (PT Nusa Halmahera Minerals)








Bilder der Woche:
Bárðarbunga (Island)


Hier ein Überblick über den vergletscherten Gipfelbereich der Bárðarbunga, aufgenommen am 23. August 2014.
Foto: Flikr/Eggert Norddahl


Nach tagelangem Grummeln ist in der Nacht vom 28. auf den 29. August der erste sichtbare Ausbruch der Bárðarbunga erfolgt: Im eisfreien Gebiet Holuhraun (vgl. Markierung auf Satellitenbild zwischen Dyngjujökull und der blau eingefärbten Askia-Caldera) trat ab 00:02 Uhr UTC entlang einer rund 900 Meter langen Eruptionsspalte Lava aus. Nach wenigen Stunden war der Spuk vorerst wieder vorbei. Doch schon am 31. August frühmorgens setzte die Lavaförderung erneut ein. Die neuen Lavaströme bedecken inzwischen (Stand: 20. September) eine Fläche von bald 40 Quadratkilometern und haben das Flussbett der Jökulsá á Fjöllum erreicht. Zum Problem wurde bislang aber weniger die Lavaförderung als vielmehr die enorm starke Schwefeldioxid-Entgasung, die über das Land zieht.
Bild: University of Iceland


Ausdehnung der Lavaströme am 20. September 2014.
Quelle: University of Iceland



Aufnahmen vom 4. September 2014
Fotos: Flikr/Eggert Norddahl

Vulkan des Monats September: Makian

Indonesien (Molukken)
0.32°N, 127.40°E
Laufnummer Global Volcanism Program: 0608-07
Gipfelhöhe: 1357 mü.M. (Gunung Kiebesi)
Kurzcharakteristik: Stratovulkan


Was für den Dukono, den Ibu, den Gamkonora und den Gamala galt, die hier in den vergangenen Monaten portraitiert worden sind, gilt ebenso für den Makian: Auch bei diesem Stratovulkan sind kaum Informationen über das aktuelle Geschehen aufzutreiben. Das hat wohl vor allem damit zu tun, dass der Makian ebenfalls in den Molukken - auf der gleichnamigen Insel Makian - aufragt. Selbst vulkanologisch Interessierte finden nur selten den Weg in diese abgelegene Ecke Indonesiens.

Welch ein Unterschied zur Situation im frühen 16. Jahrhundert. Damals waren die Molukken ein bevorzugtes Ziel, um die begehrten Gewürznelken einzuhandeln, welche auf diesen Inseln gediehen: 1512 erreichten portugiesische Seefahrer erstmals diese Gegend, ein Jahrzehnt später richteten sie auf Ternate – das nur unweit nördlich von Makian liegt – ein Handelskontor ein, und seit jener Zeit sind auch die Ereignisse auf Makian einigermassen zuverlässig dokumentiert.

Jedenfalls sind in der Datenbank des Global Volcanism Program (GVP) ab dem Jahr 1550 knapp ein Dutzend Eruptionsphasen vermerkt. Davon werden nicht weniger als 3 mit einem VEI von 4 taxiert - also als grosse, explosive Ereignisse, die in ihrer Stärke vergleichbar sind mit dem Ausbruch des Eyjafjallajökull (2010) oder des Mont Pelée (1902).

Das älteste dokumentierte Ereignis mit einem VEI 4 wird mit 1646 datiert. Der Forscher Franz Wilhelm Junghuhn hat dazu in seinem 1854 auch auf deutsch erschienenen Monumentalwerk über die indonesische Inselwelt folgende Notiz verfasst: «Nach Valentjin* erlitt der G.-Makian im Jahre 1646 einen heftigen Ausbruch, wobei viele Dörfer vernichtet wurden und viele Menschen ums Lebens kamen. Der Berg borst und wurde von Klüften durchrissen, die noch sichtbar sein sollen.»

Auch im Jahr 1760 gab es auf Makian einen Ausbruch dieser Stärke, ebenso in den Jahren 1861/1862. Über letzteren berichtete ein Baron von Putlitz in der am 2. Oktober 1866 in Augsburg erschienenen Ausgabe der Zeitschrift «Das Ausland»** aus eigener Anschauung: «Am nächsten Tag», gemeint ist offenbar der 30. November 1861, «bekamen wir durch einen Schooner die Nachricht dass am 28sten auf der Insel Makian (...) der dortige Vulcan vollständig geborsten sey und die ganze Insel mit all ihren Bewohnern verschüttet und unter seinen Trümmern begraben habe.»

Von Putlitz, der sich selbst als Soldat bezeichnet und der offenbar im Dienst der Niederländisch-Indischen Kolonialverwaltung stand, wurde nach Makian abkommandiert, um einen dort stationierten Posten zu bergen: «Vergeblich! Eine so vollständige Vernichtung alles vegetabilischen und animalischen Lebens, ohne jegliche Ausnahme, wie hier auf der ganzen Insel gehört selbst in diesen Zonen, wo Zerstörungen durch Erdbeben und andere vulcanische Eruptionen zu den gewöhnlichen Erscheinungen zählen, zu den grössten Seltenheiten. Der stets thätige Vulcan auf Makian war förmlich wie durch eine gewaltige Mine zersprengt und hatte mit seiner Masse die ganze Insel so bedeckt dass auch keine Spur ihrer Vegetation, kein Gebäude, kein lebendes Wesen mehr darauf zu finden war: 40000 Menschen hatten unter den Trümmern des geborstenen Kolosses ihr Grab gefunden. Da halfen weder Ausgrabungen noch anderweite Versuche etwas vom Verschütteten zu retten, denn nicht einmal die Stellen waren mehr zu erkennen wo Kampongs gestanden, wo Anpflanzungen oder Wälder gewesen u.s.w.»

Die beiden bedeutenden Eruptionsphasen von 1664 bzw. von 1861/1862 erwähnte auch der amerikanische Naturforscher Albert S. Bickmore (1839-1914) in seinem Reisebericht über den Ostindischen Archipel, der 1869 in Deutsch herausgegeben worden ist: «Im Jahre 1646 erlitt er (der Makian) einen furchtbaren Ausbruch, und die sämtlichen Dörfer, die auf seinen Flanken standen, wurden zerstört. Sie sollen eine Bevölkerung von etwa siebentausend Seelen enthalten haben. Der ganze Berg wurde damals in der Richtung Nordost nach Südwest so vollständig entzwei gespalten, dass man, wenn man ihn von diesen beiden Punkten aus betrachtete, zwei Bergspitzen sah.»

«Nach jener Zerstörung siedelte man sich wieder auf ihm an, und 1855 zählte seine Bevölkerung sechstausend Seelen», schrieb Bickmore weiter. Diese Zahl entspricht wohl eher der damaligen Bevölkerungszahl der kleinen Insel, und damit wohl auch der Opferzahl des Ausbruchs von 1881/1862 (und nicht die 40000, die von Putlitz zu glauben machte).

Doch auch laut Bickmore kamen damals fast alle Menschen auf der Insel um: «Es wurde eine so grosse Masse Asche ausgeworfen, dass sie auf Ternate, gegen vierzig Meilen entfernt, den Boden drei bis vier Zoll hoch bedeckte und ausser den grossen Bäumen fast alle Vegetation zerstörte. Eine ähnliche Verwüstung fand in dem ganzen Umkreise von jenem Radius statt und verursachte das grösste Leiden.»

1863, 1864 und 1890 folgten moderatere Eruptionen, und danach war der Vulkan Makian längere Zeit nicht mehr tätig. Erst im Juli 1988 stiegen erneut Aschewolken über dem Makian auf, gefolgt vom Abgang pyroklastischer Ströme im Norden und im Osten (VEI 3). Die angeblich 15000 Bewohner der Insel sollen vorübergehend auf die Nachbarinsel Moti evakuiert worden sein, doch schon nach wenigen Tagen beruhigte sich die Situation wieder. Der bislang letzte Eintrag zum Makian in der GVP-Datenbank datiert von 2009, als die seismische Unruhe kurzzeitig stark zunahm.



* Junghuhn bezieht sich dabei auf François Valentijn (1666-1727), der als Prädikant (Pfarrer) im Dienst der Niederländischen Ostindien-Kompanie stand und bereits zwischen 1724 und 1726 eine monumentale, über 1000-seitige Beschreibung der niederländischen Besitzungen und zahlreicher Regionen in Asien («Oud en Nieuw Oost-Indiën») verfasst hatte.

** Die Kulturrundschau «Das Ausland» erschien zwischen 1828 bis 1893 nach dem Vorbild der «Foreign Quarterly Review». Ab 1865 trug die Zeitschrift den Untertitel «Überschau der neuesten Forschungen auf dem Gebiete der Natur-, Erd- und Völkerkunde».






Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im August 2014 tätige Vulkane

Bardarbunga, Island
Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Zhupanovsky, Kamtschatka/Russland
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Chirpoi, Südliche Kurilen
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Kuchinoerabu-jima, Japan
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Nishino-shima, Japan
Sinabung, Indonesien
Marapi, Indonesien
Slamet, Indonesien
Semeru, Indonesien
Sangean Api, Indonesien
Paluweh (Rokatenda), Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Ibu, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea (Dauertätigkeit)
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville (Dauertätigkeit)
Tinakula, Salomonen (Dauertätigkeit)
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Shishaldin, Alaska/USA
Colima, Mexiko
Popocatepetl, Mexiko
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala
San Miguel, San Salvador
Poas, Costa Rica
Reventador, Ecuador
Tungurahua, Ecuador
Sangay, Ecuador (Dauertätigkeit)
Ubinas, Peru
Sabancaya, Peru
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyamuragira, Kongo
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Heard Is., Australien
Barren Is., Indien
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP


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