Redaktion & Produktion


Vulkan des Monats April:
Hekla (Island)
Kartengrundlage:
Mineralienatlas.de


Die markante, langgezogene Hekla bildet das Förderzentrum eines der unruhigsten Vulkansysteme Islands. In historischer Zeit - auf Island ist dies die Zeit nach der Landnahme Ende des 9. Jahrhunderts - förderte dieser Vulkan während mehr als zwanzig Eruptionsperioden grosse Mengen von Lava, Tephra (Sammelbegriff für vulkanisches Auswurfgestein wie vulkanische Bomben, Aschen, Lapilli) und von vulkanischen Gasen.


Morphologisch gesehen handelt es sich beim Vulkangebäude der Hekla um eine Mischung zwischen einem Stratovulkan, einem Schildvulkan und einer Kraterreihe. Diese aussergewöhnliche Geometrie des Vulkangebäudes ist einerseits durch die gemischten Eruptionsmaterialien (Tephra und Lava), anderseits durch die linearen Eruptionen entlang der Gipfelspalte Heklugjá entstanden.
Foto: Eggert Norddahl (29. Februar 2000)


Übersicht über die Lavaströme der Hekla aus jüngerer Zeit.
Quelle: NVI


Besteigung der Hekla.
Foto: Trecking in Iceland


Der flämische Geograf und Kartograf Abraham Ortelius hat ca 1590 auf einem seiner grossartigen Kartenwerke den Vulkan Hekla während eines Ausbruchs dokumentiert. Die dazugehörige, in Latein verfasste Legende lautet übersetzt: "Hekla, fortwährend von Stürmen und Schnee gepeinigt, erbricht Steine unter grauenhaftem Getöse".

Vulkan des Monats April: Hekla

Island
63.98°N, 19.70°W
Laufnummer Global Volcanism Program: 1702-07
Gipfelhöhe: 1491 mü.M.
Kurzcharakteristik: Linearer Stratovulkan

Die Hekla*, einer der bekanntesten Vulkane Islands, sei bereit auszubrechen, denn in ihrer Magmakammer sammle sich mehr Magma als vor dem letzten, im Jahr 2000 erfolgten Ausbruch. Das meldete kürzlich, Mitte März war’s, die isländische Tageszeitung Morgunbladid (Morgenblatt) unter Berufung auf den Geophysiker Pall Einarsson von der University of Iceland. Die entsprechende Warnung hatte Folgen: Inzwischen wird dringend davor abgeraten, die Hekla zu besteigen, und die lokalen Behörden sollen dieser Tage neue Warnschilder aufgestellt haben, die vor Ort über die Situation aufklären. Ausserdem wurden neue Messeinrichtungen installiert, die zur Analyse austretender Gase genutzt werden (von anderen Vulkanen ist bekannt, dass sich vor einem Ausbruch die Zusammensetzung austretender Gase ändert).

Allerdings ist der Füllstand der Hekla-Magmakammer schon seit geraumer Zeit kritisch hoch, ohne dass es bisher zu einem Ausbruch gekommen wäre. Und Pall Einarsson und weitere Fachleute haben auch schon früher, im Juli 2011, einen unmittelbar drohenden Ausbruch dieses Vulkans angekündigt, ohne dass die Situation danach tatsächlich eskaliert wäre. Auch damals sind Bodenaufwölbungen und eine erhöhte seismische Aktivität registriert worden, aber allein daraus lässt sich offenbar keine verlässliche Vorhersage ableiten.

Dass die Situation an der Hekla aufmerksam beobachtet wird hat allerdings seine Berechtigung. Auf der Nordatlantik-Insel hatte im Frühjahr 2010 der Ausbruch des benachbarten Eyjafjallajökull so grosse Mengen an vulkanischem Lockermaterial ausgeworfen, dass der europäische Flugverkehr wochenlang beeinträchtigt worden ist. Ähnliches könnte auch bei einem Ausbruch der Hekla geschehen, die zu den am häufigsten tätigen Vulkanen Islands gehört. Denn im Unterschied zu den meisten anderen Vulkanen Islands fördert die Hekla überwiegend intermediäre bis saure Laven (das Spektrum reicht von basaltischem Andesit bis zu Rhyolith), und offenbar werden ihre Ausbrüche zumindest gelegentlich auch vom Abgang pyroklastischer Ströme begleitet.

Zahlreiche und oft auch hochexplosive Eruptionen formten im Laufe der Zeit den zerklüfteten, sich von Südwesten nach Nordosten erstreckenden Höhenrücken der Hekla. Aber nicht nur entlang dieses rund 5 Kilometer langen, teilweise vergletscherten und in seiner Längsachse gespaltenen Grats reihen sich die Krater und Spalten der letzten Ausbrüche dicht aneinander. Das Vulkansystem der Hekla erstreckt sich aber auch noch darüber hinaus und umfasst eine Gesamtlänge von rund 40 Kilometern.

Bereits in mittelalterlicher Zeit hatte dieser Vulkan einen beachtlichen Ruf als «Tor zur Hölle», aus dem das Wehklagen der Verdammten erschallen soll. Mittlerweile hat die Hekla viel von ihrem mythischen Nimbus verloren. Trotzdem zollt man diesem sagenumwobenen Vulkan noch immer gebührenden Respekt, denn seine Ausbrüche bedrohen weite Gebiete. Die Lockermaterialablagerungen der ersten Eruption in historischer Zeit, es handelte sich um einen plinianischen Ausbruch mit einem VEI von 5 im Jahr 1104, bedeckten zwei Drittel des Landes. Sie werden inzwischen als wertvolle Zeitmarke bei der Datierung von Gletschereis und Ablagerungen anderer Vulkane verwendet.

Besonders heftig gebärdete sich der unruhige Berg auch vor 67 Jahren. Völlig unerwartet stieg am frühen Morgen des 29. März 1947 eine Eruptionsssäule hoch über den schneebedeckten Gipfel auf. Heftige Detonationen begleiteten diesen Ausbruch, der zumindest in seiner Anfangsphase als plinianisch einzustufen ist und der insgesamt mit einem VEI von 4 taxiert wird.

Innert kürzester Zeit soll die Eruptionswolke eine Höhe von 30 Kilometer erreicht haben. Sie wurde zunächst nach Südosten abgetrieben und deckte nicht nur Teile Islands mit niederfallenden Aschen ein, sondern nach wenigen Tagen sogar das fast dreitausend Kilometer entfernte Helsinki. Auf dem Vulkangipfel selbst öffnete sich eine kilometerlange Eruptionsspalte, aus der Lavafontänen und Lavaströme ausgestossen wurden, und der aufgeschmolzene Schnee mobilisierte Schlammströme (Lahare), welche die Hänge hinabschossen. Zudem gab es zweitweise besonders starke Entgasungen: Fluorhaltige Gase, die sich an ausgeworfene Aschenpartikel banden, vergifteten viele Quellen und Weiden, und das Kohlendioxid, das sich in Bodensenken ansammelte, hatte lokal fatale Folgen für Nutz- und Wildtiere.

Während sich die explosive Tätigkeit allmählich abschwächte, hielt die effusive Tätigkeit mehr als ein Jahr lang an und stoppte erst am 21. April 1948. Die Laven bewegten sich teilweise in Lavatunnels, bevor sie wieder an die Oberfläche gelangten. Der längste Lavastrom dieses Ausbruchs wurde 8 Kilometer lang, und insgesamt sind rund 40 Quadratkilometer von Laven zugedeckt worden.

Auch bei jener Eruption, die am 5. Mai 1970 einsetzte, vergifteten fluorhaltige Gase weite Landstriche im Norden Islands. Mehre tausend Schafe gingen daran zugrunde. Nicht so gravierend waren die Schäden von zwei schwächeren Ereignissen in den Jahren 1980 und 1981. Doch diese kurz nacheinander erfolgten Ausbrüche überraschten all jene Vulkanologen, die glaubten, den Rhythmus der mit Akribie erforschten Hekla genau zu kennen und daraus Vorhersagen über den Zeitpunkt künftiger Eruptionen ableiten zu können.

Unerwartete Folgen hatte schliesslich der bislang jüngste Ausbruch, der am 26. Februar 2000 einsetzte. Für Warnungen blieb damals kaum Zeit. Denn kurz nachdem die ersten Anzeichen erkannt und weitergegeben worden sind, explodierte der Berg auch schon. Über der Hekla stieg eine aschengraue Eruptionssäule an die 15 Kilometer hoch in den Himmel, und im Gipfelbereich riss eine lange Eruptionsspalte auf, aus der in den nächsten Tagen Feuerfontänen aufstiegen und Lavaströme ausflossen. Nach diesem heftigen Auftakt folgte eine Phase mit strombolianischer Tätigkeit, aber bereits ab dem 6. März liess die Tätigkeit schrittweise nach, um am 8. März gänzlich zu versiegen. Grössere Schäden hat dieser Ausbruch nicht verursacht, weil die ausgeworfenen Aschen meist über abgelegene Gebiete im Norden und Osten niedergingen.

Aber die Meldungen vom Vulkanausbruch lockten viele Schaulustige in die Nähe der bloss hundert Kilometer von der Hauptstadt Reykjavík entfernten Hekla. Zeitweise tobte dort allerdings auch ein heftiger Schneesturm. Daraufhin brach der Verkehr auf den Zufahrtsstrassen zur Hekla völlig zusammen, und zahlreiche Menschen sassen in ihren eingeschneiten Autos fest. Was folgte sei angeblich der grösste Rettungseinsatz gewesen, den Island seit dem Ausbruch des Eldfell auf Heimaey im Jahr 1973 zu bewältigen hatte – nur dass diesmal nicht gegen Lavaströme gekämpft wurde, sondern gegen Schneemassen.


Empfohlener Link zu Livestream für den Fall, dass sich in der nächsten Zeit an der Hekla doch etwas tun sollte:
http://www.livefromiceland.is/webcams/hekla/


* Hekla bedeutet auf Isländisch "die Behütete", "Kappe", "Kapuze" oder "Haube" und hat einen Bezug zur permanenten Schnee- und Eiskappe dieses Vulkanmassivs. Andere Bezeichnungen sind Heklufell oder Heklufjall, was übersetzt nichts anderes als Heklaberg oder Heklagebirge bedeutet. Wegen der häufigen und meist gewaltigen Ausbrüche mit zum Teil verheerenden Folgen fürchtete man die Hekla seit alten Zeiten und gab ihr im Mittelalter auch den Namen "Tor zur Hölle". Man glaubte, dass die Seelen der Verdammten auf dem Weg zur Hölle durch den Schlund des Vulkans reisen mussten. Aufgrund dieses Aberglaubens soll der Gipfels des Berges erst im Jahr 1750 erstmals bestiegen worden sein, und zwar von den beiden isländischen Naturforschern Eggert Olafsson und Bjarni Palsson (Preusser 1976: The Landscapes of Iceland: Types and Regions).


Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im März 2014 tätige Vulkane

Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Grozny, Südliche Kurien
Chirpoi, Südliche Kurilen
Chirinkotan, Nördliche Kurilen
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Aso, Japan
Nishino-shima, Japan
Sinabung, Indonesien
Marapi, Indonesien
Krakatau, Indonesien
Slamet, Indonesien
Merapi, Indonesien
Semeru, Indonesien
Paluweh (Rokatenda), Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Ibu, Indonesien
Gamkonora, Indonesien
Manam, Papua-Neuguinea (Dauertätigkeit)
Karkar, Papua-Neuguinea
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville (Dauertätigkeit)
Tinakula, Salomonen (Dauertätigkeit)
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Cleveland, Alaska/USA
Shishaldin, Alaska/USA
Veniaminof, Alaska/USA
Colima, Mexiko
Popocatepetl, Mexiko
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala
San Miguel, San Salvador
Arenal, Costa Rica (Dauertätigkeit)
Poas, Costa Rica
Galeras, Kolumbien
Reventador, Ecuador
Tungurahua, Ecuador
Sangay, Ecuador (Dauertätigkeit)
Ubinas, Peru
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Heard Is., Australien
Barren Is., Indien
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP


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