Redaktion & Produktion


Vulkan des Monats Januar:
Bárdarbunga (Island)
Kartengrundlage:
Geomar/ESKP


Überblick über den vom Eis des Vatnajökull bedeckten Gipfelbereich der Bárdarbunga. Unter dem Eis verborgen ist eine 10 Kilometer weite und 700 Meter tiefe Gipfelcaldera.
Foto: Flikr/Eggert Norddahl (23. August 2014)


Ausgehend vom subglazialen Zentralvulkan Bardarbunga erstreckt sich ein Spaltensystem, das in SW-NE Richtung verläuft und von dem einst Lavaströme bis zur Südwestküste vorgestossen sind.
Quelle: Institute of Earth Sciences


Richtig eingesetzt hat die Lavaförderung am 31. August 2014, und seither ist der Lavafluss nicht mehr versiegt.
Foto: University of Iceland


Obwohl sich die Lava von der Holuhraun-Spalte aus in die umliegenden Flusstäler ausgebreitet hat, kam es bisher weder zu hochexplosiven Eruptionen noch zu folgenschweren Überschwemmungen.
Foto: Flikr/Eggert Norddahl (4. September 2014)


Ausdehnung des neuen Lavafelds am 7. Oktober 2014.
Quelle: Institute of Earth Sciences


Ausdehnung des neuen Lavafelds am 3. Januar 2015.
Quelle: Institute of Earth Sciences


Winter in Island: Am 3. Januar 2015 ist der fortwährende Lavafluss im Nornahraun vom Operational Land Imager (OLI) an Bord von Landsat 8 dokumentiert worden.
Foto: NASA


Seit bald 5 Monaten tätig, und noch immer werden jede Sekunde um die 50 Kubikmeter Lava gefördert.
Foto: University of Iceland
(Aufnahme vom 10. Januar 2015)


Überblickskarte vom 15. Januar 2015
Karte: IMO





Aufnahme vom 22. Januar 2015: Auf Hawaii nähert sich ein Lavastrom bedrohlich der kleinen Ortschaft Pahoa.
Foto: USGS, NVO

Vulkan des Monats Januar: Bárdarbunga

Island
64.63°N, 17.53°W
Laufnummer Global Volcanism Program: 1703-03
Gipfelhöhe: 2009 mü.M.
Kurzcharakteristik: subglazialer Zentralvulkan

Zu Beginn des neuen Jahres eine Frage: Was macht eigentlich die Bárdarbunga? 2014 hat dieser isländische Vulkan mit dem schwierig auszusprechenden Namen* vorübergehend sehr viel mediale Aufmerksamkeit genossen. Doch das Interesse an diesem Schauplatz versiegte rasch, nachdem die zu diesem Ereignis prophezeihten Katastrophen ausgeblieben sind. Aber vor Ort hat sich die Lage keineswegs beruhigt. Seit mehr als 4 Monaten dehnt sich dort entlang der sogenannten Holuhraun-Spalte ein mächtiges Lavafeld in die umliegenden Flusstäler aus, und über die weitere Entwicklung rätseln Fachleute noch immer.

Am 6. Januar 2015 lieferte das Icelandic Met Office (IMO) eine Zusammenfassung zur aktuellen Situation. Diese Übersicht basiert auf luftgestützten Radarmessungen, die am 30. Dezember 2014 vom isländischen Institute of Earth Sciences (IES) gemacht worden sind. Zu diesem Zeitpunkt bedeckte das neu gebildete Lavafeld - das vom IMO inzwischen inoffiziell als Nornahraun** bezeichnet wird - eine Fläche von mehr als 83 Quadratkilometer. Seine durchschnittliche Dicke betrug im östlichen Teil 10 Meter, im mittleren Bereich 12 Meter und im westlichen Teil 14 Meter, und im Umfeld der Austrittsspalte haben sich bis zu 80 Meter hohe Lavawälle aufgebaut. Die seit Eruptionsbeginn geförderte Lavamenge hat ein Volumen von rund 1,1 Kubikkilometern.

Aber nicht nur Lava quillt an dem Untergrund, sondern auch grosse Mengen von Schwefeldioxid: Zeitweise sind entlang der Holuhraun-Spalte jede Sekunde 460 bis 700 Kilogramm Schwefeldioxid ausgestossen worden, das sind 40000 bis 60000 Tonnen pro Tag! Nie zuvor seit Beginn der Messungen in den 1970er-Jahren wurden in Island solch hohe Schwefeldioxid-Werte in der Luft gemessen: Seit Beginn der aktuellen Eruption hat dieser Vulkan mehr als doppelt so viel Schwefeldioxid in die Atmosphäre geblasen wie die gesamte Industrie Europas in einem Jahr. Das stechend riechende Gas erreichte zwischenzeitlich sogar Mitteleuropa - dort allerdings in so geringen Mengen, dass kein Gesundheitsrisiko bestand. In Island ist das derzeit anders, und das nicht nur in unmittelbarer Nähe der Eruptionsstelle. Auch in der weiteren Umgebung sind Menschen von starker Luftverunreinigung betroffen, wenn die Vulkangase vom Wind in ihre Richtung getrieben werden.

Lediglich beim Ausstoss von vulkanischen Aschen scheint die Bárdarbunga sparsam zu sein. Entgegen den anfänglichen Befürchtungen traf das aufsteigende Magma kaum auf Gletschereis, und somit gab es auch keine grösseren Explosionen, die sich auf den Flugverkehr oder auf die klimatischen Verhältnisse in der Nordpolregion ausgewirkt hätten. Denn die Lavaförderung ereignete sich bislang nicht im zentralen, eisbedeckten Bereich der Bárdarbunga, sondern nordöstlich davon in einem eisfreien Gebiet am Rande des Dyngjujökull (einer Gletscherzunge des Vatnajökull). Deshalb gab es bislang auch keine nennenswerten Überschwemmungen im Unterlauf der benachbarten Flüsse. Für den relativ ruhigen Verlauf der bisherigen Ereignisse ist aber auch der Chemismus der geförderten Laven von Belang: Es handelt sich um sehr dünnflüssigen Basalt, der generell eher zum Fliessen als zum Explodieren neigt.

Angekündigt hatte sich die jüngste Eruptionsphase der Bardarbunga bereits lange zuvor. Schon seit Jahren gab es Zeiten mit verstärkter Erdbebentätigkeit unter dem Zentralvulkan. Massiv zugenommen haben die Schwarmbeben schliesslich ab dem 16. August 2014. Allein innerhalb der folgenden drei Tage wurden mehr als zweitausend Einzelbeben im Bereich der Bárdarbunga registriert (meist mit Magnituden 1 bis 2, aber am 18. August auch eines mit einer Magnitude 4). Die Beben begannen unter der Gipfelcaldera und weiteten sich in Clustern nord- und nordostwärts aus.

Da Erdbeben ein gewichtiger Indikator für Magmabewegungen sind, wurde die Warnstufe für den Luftverkehr am 18. August 2014 von «gelb» auf «orange» (erhöhte Eruptionswahrscheinlichkeit) gesetzt. Am Abend des 19. Augusts ist ist auch am Boden mit der Sperrung gefährdeter Gebiete begonnen worden. In den folgenden Tagen nahm die Bebenstärke weiter zu, und die Behörden riefen für den Luftverkehr die Warnstufe «rot» aus (ein Ausbruch des Vulkans steht bevor oder hat schon begonnen, und der Vulkan könnte eine grosse Menge Asche ausstossen). Das unterirdische Grummeln hielt an, und in der Nacht vom 28. auf den 29. August 2014 ist schliesslich der erste sichtbare Ausbruch dieser Eruptionsphase erfolgt: Im eisfreien Gebiet Holuhraun trat ab 00:02 Uhr UTC entlang einer mehrere hundert Meter langen Eruptionsspalte Lava aus. Nach wenigen Stunden war der Spuk wieder vorbei. Doch schon am 31. August 2014 frühmorgens setzte die Lavaförderung erneut ein, und seither ist der Lavafluss nicht mehr versiegt.

Daran scheint sich auch weiterhin nichts zu ändern. Das neue Lavafeld ist mittlerweile auf 85 Quadratkilometer angewachsen, und die seismische Unruhe hält nach wie vor an, wie dem am 23. Januar 2015 vom IMO veröffentlichten Bulletin des «Scientific Advisory Board of the Icelandic Civil Protection» zu entnehmen ist: Insgesamt seien vom 20. bis 23. Januar rund 210 Erdbeben im Bereich der Bárdarbunga registriert worden, darunter ein Beben der Stärke 4,7 am Donnerstag, 22. Januar 2015. Auch die Gasemissionen seien weiterhin hoch: Am 22. Januar 2015 wurden im Nordosten Islands - in Reykjahlid und am Myvatn-See - um die 2200ug/m³ Schwefeldioxid in der Luft gemessen (zum Vergleich: Der 24-h-Mittelwert, der an Messstationen in der Schweiz höchstens einmal pro Jahr überschritten werden darf, ist 100μg/m³). Und direkt an der Eruptionsstelle stieg die Schwefeldioxid-Belastung der Luft am 21. Januar sogar auf 84000μg/m³ an – auf einen der höchsten seit Ausbruchsbeginn gemessenen Wert!


* Der Name Bárðarbunga setzt sich aus einem Personennamen (Bárður) und dem Wort bunga (für Wölbung) zusammen. Zur Verwendung in deutschen Sätzen wird ð zu d vereinfacht. Bárðarbunga ist im Islän­dischen ein schwa­ches Femi­ninum. Als Formu­lie­run­gen auf Deutsch bieten sich somit an:
- die Bárdarbunga
- der Vulkan Bárdarbunga
- der Bárdarbungavulkan
(Quelle: Belles Lettres – Deutsch für Dichter und Denker)

** Den vom IMO verwendeten Namen Nornahraun (Hexenlava) hat der Vulkanologe Þorvaldur Þórðarson vorgeschlagen, weil bei diesem Ausbruch sogenanntes nornahár (Hexenhaar) produziert worden ist (entstanden durch hochgeschleuderte Lavafetzen, die vom Wind zu langhaarähnlichen Fäden versponnen worden sind). Es gab aber auch noch andere Namensvorschläge, etwa Drekahraun (Drachenlava) oder Drekaborgir (Drachenburgen), weil es eine Schlucht namens Drekagil (Drachenschlucht) in der Gegend gibt. Für die definitive Benennung dürfte letztlich aber die betroffene Landgemeinde Skútustaðir (isl. Skútustaðahreppur) zuständig sein.



Auch Werbevideos können beeindrucken (diverse Links):
http://vimeo.com/111791886
http://vimeo.com/111344670
http://vimeo.com/105365343
http://vimeo.com/106959171

Links zu Webcams mit Livebildern (vor allem nachts interessant):
http://www.livefromiceland.is/webcams/bardarbunga
http://www.livefromiceland.is/webcams/bardarbunga-2/






Hier auch noch ein Blick auf die andere Seite der Welt zu einem weiteren (informativen) Werbe-Video. Es ist am 19. Januar 2015 freigestellt worden und zeigt die aktuelle Situation auf Hawaii (Pahoa):
http://www.youtube.com/watch?v=Q9mmqmTPcGA

Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im Dezember 2014 tätige Vulkane

Bardarbunga, Island
Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Zhupanovsky, Kamtschatka/Russland
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Aso, Japan
Nishino-shima, Japan
Sinabung, Indonesien
Slamet, Indonesien
Semeru, Indonesien
Sangean Api, Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Gamalama, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Ibu, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea (Dauertätigkeit)
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville (Dauertätigkeit)
Tinakula, Salomonen (Dauertätigkeit)
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Shishaldin, Alaska/USA
Pavlof, Alaska/USA
Colima, Mexiko
Popocatepetl, Mexiko
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala
San Miguel, San Salvador
Poas, Costa Rica
Turrialba, Costa Rico
Reventador, Ecuador
Tungurahua, Ecuador
Ubinas, Peru
Sabancaya, Peru
Copahue, Peru
Fogo, Kapverdische Inseln
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyamuragira, Kongo
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Heard Is., Australien
Barren Is., Indien
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP


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