Redaktion & Produktion


Vulkan des Monats Dezember:
Fogo (Kapverdische Inseln)
Kartengrundlage:
Mineralienatlas.de


In historischer Zeit war auf den Kapverden nur der Fogo auf der gleichnamigen Insel vulkanisch tätig.


Die Insel Fogo mit ihrer mächtigen, nach Osten hin aufgebrochenen Caldera auf einer Aufnahme vom 10. Juni 2009.
Satelitenbild: NASA


Ausschnitt aus obigem Satellitenbild mit dem Ausgangspunkt und der generellen Stossrichtung der aktuellen Lavaförderung (Details zur Lavabedeckung siehe Karte unten).
Satellitenbild: NASA


Der aktuelle Ausbruch des Fogo begann am 23. November 2014 an jener Stelle, an der sich bereits 1995 eine Eruptionsspalte geöffnet hatte.
Foto: Fogo News


Das bisherige Eruptionsgeschehen hatte explosiven und effusiven Charakter.
Foto: Fogo News


Inzwischen haben die vorstossenden Lavamassen sowohl den Ortsteil Portela als auch den Ortsteil Bangaeira erfasst und weitgehend zerstört.
Foto: Fogo News


Aufnahme vom 4. Dezember 2014
Foto: Fogo News


Aufnahme vom 7. Dezember 2014
Foto: Fogo News


Ausdehnung des Lavastroms am 9. Dezember 2014 (12:32 UTC).
Kartengrundlage: Copernicus Emergency Management Service/based on WorldView2


Ausdehnung des Lavastroms am 16. Dezember 2014 (07:25 UTC).
Kartengrundlage: Copernicus Emergency Management Service/based on Cosmo-SkyMed


Vorboten des Ausbruchs: Die Kohlenstoffdioxid-Emissionen sind schon Monate vor dem Ausbruch stark angestiegen.
Grafik: eskp

Vulkan des Monats Dezember: Fogo

Kapverdische Inseln
14.95°N, 24.35°W
Laufnummer Global Volcanism Program: 1804-1
Gipfelhöhe: 2829 mü.M. (Pico)
Kurzcharakteristik: Sommavulkan

Dass Medien bei der Themenwahl mitunter sonderbar gewichten muss dieser Tage einmal mehr konstatiert werden: Während der jüngste Ausbruch der Bardarbunga auf Island, der in einem abgelegenen, menschenleeren Gebiet erfolgt, weltweit Schlagzeilen machte und manche Fotostrecke füllte, wird das gegenwärtige Geschehen auf einer anderen Atlantikinsel, das eine ohnehin wenig begüterte Bevölkerung besonders hart trifft, allenfalls in Kurzmeldungen abgehandelt.

Ort des Geschehens ist Fogo im Inselstaat Kap Verde, um die 500 Kilometer vor der Westküste Afrikas. In diesem Archipel sind an sich sämtliche Landmassen vulkanischen Ursprungs. Dennoch war in historischer Zeit nur jener Vulkan tätig, nach dem die Insel Fogo* heute benannt wird: der Pico do Fogo.

Von der Inselhauptstadt São Filipe aus dauert die Fahrt hinauf bis zum Vulkan ungefähr zwei Stunden. Zu beiden Seiten der Strasse gehen langgestreckte Dörfer fast nahtlos ineinander über. Die Menschen nutzen hier jeden Quadratmeter des Bodens, ringen ihm in mühseliger Arbeit bescheidene Erträge ab. Mit zunehmender Höhe werden die Häuser spärlicher und die Landschaft immer lebensfeindlicher. Auf etwa 1800 Meter Höhe ist der Scheitelpunkt erreicht. Danach führt die Strasse hinein in die Chã das Caldeiras, eine mächtige, 9 Kilometer weite und von bis zu 1000 Meter hohen Abbrüchen gesäumte Caldera.

Innerhalb der Caldera erhebt sich der markante, steilwandige Kegel des Pico, der einen 500 Meter grossen Gipfelkrater hat und der den Calderaboden um gut 1200 Meter überragt. Selbst bei Sonnenschein und blauem Himmel hat diese Szenerie etwas Bedrohliches. Die Landschaft ist bizarr und übersät von dunkler, scharfkantiger Lava. Denn die vulkanische Tätigkeit in diesem Gebiet beschränkte sich keineswegs auf den Gipfel des Pico. Eruptionsherde haben sich in der Vergangenheit auch an dessen Flanken und am Boden der Caldera geöffnet. Dennoch war - zumindest bislang - auch das Gebiet am Fuss des Pico besiedelt. Die Häuser in den beiden Ortsteilen Portela und Bangaeira zeugen vom ungebrochenen Willen, selbst den widrigsten Bedingungen zu trotzen: Die Chã das Caldeiras ist aufgrund der klimatischen Verhältnisse und der Bodenbeschaffenheit eine der wenigen Gegenden auf den Kapverden, wo Wein angebaut werden kann.

Während einer langen Periode – nämlich seit seiner Entdeckung durch europäische Seefahrer in den 1460er-Jahren und bis Mitte des 18. Jahrhunderts – soll dieser eindrückliche Vulkan so häufig ausgebrochen sein, dass ihn die Seeleute als «Leuchtturm des Atlantiks» schätzten. Danach nahm die Kadenz offenbar ab: Für den Zeitraum zwischen 1769 und 1995 sind in der Datenbank des Global Volcanism Program (GVP) zehn einzelne Eruptionsphasen aufgelistet. Sie werden mehrheitlich mit einem VEI von 2 taxiert: als moderate Ereignisse von strombolianischem bis vulkanianischem – also auch explosivem – Charakter.

Der Ausbruch im Jahr 1995 begann am 2. April. Am Westfuss des Pico öffnete sich eine Eruptionsspalte, und aus mehreren Förderstellen traten so grosse Lavamengen aus, dass einige Häuser im Siedlungsbereich und ein bedeutender Teil der landwirtschaftlichen Kulturen vernichtet worden sind. Im Laufe dieser Ereignisse baute sich auch der Pico Pequeno auf, der eine Gipfelhöhe von rund 1950 Meter erreichte. Mit abnehmender strombolianischer Tätigkeit endete diese Ausbruchsperiode Mitte Mai 1995, und das Leben in der Chã normalisierte sich alsbald wieder.

Danach blieb es im Bereich der Fogo-Caldera 19 Jahre lang ruhig. Doch seit April 2014 wurden am Fogo erhöhte CO2 - Emissionen gemessen, im Laufe des Herbsts auch eine erhöhte seismische Aktivität. Schliesslich verstärkte sich am 22. November 2014 die Unruhe im Untergrund zusehends, und am folgenden Tag brach am südwestlichen Fuss des Pico – also an gleicher Stelle wie 1995 – eine Eruptionsspalte auf.

Der deutsche Vulkanologe Marc Szeglat hat sich anfangs Dezember vor Ort aufgehalten und berichtete am 7. Dezember aus erster Hand in seinem Blog http://www.vulkane.net/blogmobil über seine Beobachtungen: «Effusive Tätigkeit dominierte das Geschehen. Ein Lavastrom ergoss sich aus einem Schlot an der Basis des Pico Pequeno. Auf dem Rücken des Pico Pequeno befanden sich mehrere Schlote, die wechselnd stark aktiv waren. Es gab Perioden mit fumarolischer Tätigkeit, strombolianischen Eruptionen und der Emission von Aschewolken. Dabei waren teilweise mehrere Schlote gleichzeitig aktiv.»

Die Dynamik des Lavastroms variierte gemäss Szlegat stark. Zu Beginn explosiver Phasen habe die effusive Tätigkeit oft nachgelassen. Aber kurz vor dem Ende explosiver Phasen verstärkte sich der Lavastrom wieder, und unaufhaltsam schob er sich auf das besiedelte Gebiet zu. Der Ortsteil Portela, so Szlegat weiter, wurde inzwischen nahezu vollständig von der Lava zerstört: «Die Zerstörung erfolgte in Phasen, zwischen denen sich die Lavafront bei Portela tagelang nicht bewegte. Die aktiven Phasen des Lavastroms dauerten nur wenige Stunden. Die Bewohner versuchten zu retten, was zu retten war. Ihr wichtigstes Gut – der Wein, den sie im Bereich der Caldera anbauten – konnten sie in einer anstrengenden Aktion bergen.»

Weitere Nachrichten vom 8. Dezember: Die Lavafront hat auch das tiefer gelegene Bangaeira erfasst und stösst weiter Richtung Mosteiros vor. Demnach sollen nun rund 95 Prozent des Ortsteils Portela und rund 70 Prozent des Ortsteils Bangaeira zerstört sein (in Bangaeira blieben offenbar einige höher gelegene Häuser verschont). Die Zahl der evakuierten Personen, die sich in den drei Auffangstationen Achada Furna, Mosteiros und Monte Grande befinden, wird inzwischen mit 850 angegeben.

Weitere Nachrichten vom 9. Dezember: Die Lava ist weiterhin in Bewegung, hat die Chã das Caldeiras aber noch nicht verlassen. Dennoch ist die Bevölkerung im Osten der Insel (von Mosteiros bis Relva) bereits darüber informiert worden, dass eine Evakuierung möglicherweise kurzfristig durchgeführt werden muss.

Weitere Nachrichten vom 10. Dezember: Die Anzahl der bisher von den Lavamassen zerstörten Gebäude wird offiziell mit 229 angegeben.

Weitere Nachrichten vom 11. Dezember: Die Eruption hat sich abgeschwächt, aber die Lavafront bewegt sich weiterhin mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 6 Metern pro Stunde und befindet sich nun ca. 600 Meter hinter dem nördlichen Ortsausgang von Bangaeira. Gemäss Bulletin des UN-Office for the Coordination of Humanitarian Affairs (kurz OCHA) seien 1080 Personen in Notunterkünften untergebracht worden.

Weitere Nachrichten vom 12. Dezember: Die Debatte über die zukünftigen Wohnorte der evakuierten Familien hat eingesetzt. Eine Rückkehr in die Chã das Caldeiras wird offenbar nicht mehr in Erwägung gezogen.

Weitere Nachrichten vom 14. Dezember: Die gegenwärtige Lavaförderung ist zwar nicht mehr gross genug, um die Lavafront weiter voranzustossen. Aber es fliesst noch genügend Material aus, um die überflutete Fläche seitlich auf weitere landwirtschaftliche Nutzflächen auszuweiten. Ehemalige Bewohner der Cha das Caldeiras begeben sich trotz Verbot in die Caldera, um ihrer Feldarbeit nachzugehen oder sich um Tiere zu kümmern, die dort verblieben sind.



* Pico do Fogo heisst auf Deutsch «Berg des Feuers», oder kurz Feuerberg. Die Insel selbst hiess ursprünglich São Filipe, aber nach einem grossen Ausbruch im Jahr 1680 wurde sie zu Ilha do Fogo (Insel des Feuers) umbenannt.


Link zu mehreren Videos, die vor Ort aufgenommen worden sind:
http://new.livestream.com/muzikatv/fogo/videos

Links zu weiteren Videos:
http://www.youtube.com/watch?v=ozSoiPHvJ88
http://www.youtube.com/watch?v=s5utyeeovjQ
http://www.youtube.com/watch?v=CfUEkYr_ggs

Link zur Website «Neues von Fogo»:
http://wordpress2.sao-filipe.com/

Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im November 2014 tätige Vulkane

Bardarbunga, Island
Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Zhupanovsky, Kamtschatka/Russland
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Aso, Japan
Nishino-shima, Japan
Sinabung, Indonesien
Slamet, Indonesien
Semeru, Indonesien
Sangean Api, Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Ibu, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea (Dauertätigkeit)
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville (Dauertätigkeit)
Tinakula, Salomonen (Dauertätigkeit)
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Shishaldin, Alaska/USA
Pavlof, Alaska/USA
Colima, Mexiko
Popocatepetl, Mexiko
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala
San Miguel, San Salvador
Poas, Costa Rica
Turrialba, Costa Rico
Reventador, Ecuador
Tungurahua, Ecuador
Ubinas, Peru
Sabancaya, Peru
Copahue, Peru
Fogo, Kapverdische Inseln
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyamuragira, Kongo
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Heard Is., Australien
Barren Is., Indien
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP


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