Vulkan des Monats

Vulkan des Monats Juli: Yasur

Land:
Vanuatu

Koordinaten:
19.52°S, 169.43°E

Laufnummer Global Volcanism Program:
257100 (ex 0507-10)

Gipfelhöhe:
361 m

Kurzcharakteristik:
Stratovulkan

VdM16_07_Yasur2

Der Yasur ist verhältnismässig leicht zugänglich: Mit einem Geländewagen kann man bis an den Kraterrand fahren.

VdM16_07_Yasur1

In kurzen Abständen stösst der Yasur glühende Laven aus.

VdM16_07_Luftbild

Der Yasur-Krater aus der Luft (Schlussaufstieg im Vordergrund).

Land:
Vanuatu

Koordinaten:
19.52°S, 169.43°E

Laufnummer Global Volcanism Program:
257100 (ex 0507-10)

Gipfelhöhe:
361 m

Kurzcharakteristik:
Stratovulkan

Von Vanuatu, der Inselrepublik im Südpazifik, die bis zum Jahr 1980 als britisch-französisches Kondominium den Namen Neue Hebriden trug, hört man hierzulande bloss selten. Neuigkeiten aus dieser abgelegenen Ecke erreichen uns meist nur, wenn dort tropische Wirbelstürme wüten, wie etwa vor einem Jahr der Zyklon Pam, oder wenn Vulkane spektakuläre Bilder liefern.

Vulkanologisch hat Vanuatu tatsächlich sehr viel zu bieten. Immerhin umfasst dieser Inselstaat, der sich über ein 1300 Kilometer langes Gebiet erstreckt und aus über 80 Inseln und Inselgruppen zusammensetzt, nicht weniger als 13 Lokalitäten, die in der Liste der aktiven Vulkane der Welt figurieren (also im Laufe der vergangenen 10000 Jahre tätig gewesen sind).

Praktisch dauernd tätig ist der Vulkan Yasur auf der rund 550 Quadratkilometer grossen Insel Tanna, die im Süden Vanuatus in der Provinz Tafea liegt. Knapp 30000 Menschen sollen auf dieser Insel leben, und trotz überaus bescheidener Infrastrukturen hat Tanna dank des Vulkans inzwischen sogar eine gewisse touristische Bedeutung erlangt.

Bereits der englische Seefahrer James Cook berichtete von den Eruptionen des Yasur. Er erkundete das Gebiet des heutigen Inselstaats Vanuatu 1774 während seiner zweiten Weltumseglung und gab ihm nach einer Inselgruppe vor der Küste Schottlands den Namen Neue Hebriden. Cook und seine Männer an Bord der Resolution ankerten ab dem 5. August 1774 in einer geschützten Bucht östlich des Yasur, die sie nach ihrem Schiff benannten und die noch heute Port Resolution heisst.

Sie blieben gut zwei Wochen vor Ort, um Fische zu fangen, Quellwasser zu bunkern, Holz für Reparaturen am Schiff zu schlagen, die Landschaft zu erkunden und sich mit der lokalen Bevölkerung auszutauschen (was nicht nur friedvoll ablief). Derweil zeigte der Inselvulkan ein erhabenes Schauspiel: mächtig war sein Donnern, malerisch glühte das Feuer. Um den brodelnden Vulkan aus der Nähe zu erkunden, machten sich am 12. August 1774 einige «Gentlemen» aus Cooks Gefolge auf den Weg dorthin. Zu dieser Gruppe gehörten der deutsche Naturwissenschafter Johann Reinhold Forster und dessen vielseitig begabter Sohn Georg. Festgehalten sind ihre Eindrücke im Bericht Reise um die Welt während den Jahren 1772 bis 1775 (Band 2), den Georg Forster zuerst 1777 auf Englisch und 1780 auch auf Deutsch veröffentlicht hat: «Die Gewalt des unterirdischen Feuers setzte uns am meisten in Erstaunen, denn Felsenklumpen, zum Teil so gross als unser grösstes (Bei-) Boot, wurden aus dem Innersten des Berges hoch empor geschleudert, als ob es gleichsam nur Kiesel wären.» Trotz der offensichtlichen Heftigkeit der Eruptionen wären sie von ihrem Ausguck aus gerne noch weiter zum Geschehen vorgedrungen. Aber die lokale Bevölkerung hielt sie durch den Ruf aus Muschelhörnern davor ab, den Landfrieden weiter zu stören.

Heute ist der Vulkan verhältnismässig leicht zugänglich, allerdings nur unter lokaler Führung. Meist geht es mit Geländewagen bis an den Rand des Kraters. Bloss der letzte, steile Aufstieg hoch zum Kraterrand ist noch zu Fuss zu bewältigen. Die Tätigkeit des Yasur ist strombolianisch und erfolgt häufig sogar in kürzeren Intervallen als bei der Typlokalität in Süditalien: am Yasur konnten pro Tag schon bis zu 500 Explosionen registriert werden.

Ungefährlich ist der Aufenthalt am Kraterrand aber nicht. Oft windet es stark, auch die Entgasungen können ein unangenehmes Ausmass erreichen, und in wilden Zeiten tendieren die Ausbrüche des Yasur in Richtung vulcanischer Eruptionen. Sie sind dann merklich stärker als etwa die normalen Ausbrüche des Stromboli. Jedenfalls ist es beim Yasur nicht selten, dass Lavabrocken auf den Kraterrand treffen oder sogar weit darüber hinaus fliegen. Das hat auch schon Opfer gefordert, etwa 2008, als zwei asiatische Touristen ums Leben kamen.

Inzwischen wird die Gefahrenlage durch das Vanuatu Geohazards Observatory anhand einer sechsteiligen Skala eingestuft:

Level 0 – Normal
Level 1 – Signs of Volcanic Unrest
Level 2 – Major unrest
Level 3 – Minor eruption
Level 4 – Moderate eruption
Level 5 – Very large eruption

Dieser Tage gilt Level 2: anhaltende strombolianische Tätigkeit (Gefahr durch vulkanische Bomben im Krater und evtl. darüber hinaus), zudem können vulkanische Gase und Aschen durch die herrschenden Winde auch in die weitere Umgebung verfrachtet werden. Das Vanuatu Geohazards Observatory empfiehlt deshalb allen Besuchern, vom Kraterrand fernzubleiben. Ob diese Empfehlung vor Ort aber tatsächlich beachtet wird, ist eine ganz andere Frage.

 

Empfohlene Links:

 

 

 

VdM16_07_Yasur2

Der Yasur ist verhältnismässig leicht zugänglich: Mit einem Geländewagen kann man bis an den Kraterrand fahren.

VdM16_07_Yasur1

In kurzen Abständen stösst der Yasur glühende Laven aus.

VdM16_07_Luftbild

Der Yasur-Krater aus der Luft (Schlussaufstieg im Vordergrund).

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