Redaktion & Produktion


Vulkan des Monats August:
Gamalama (Indonesien)
Kartengrundlage:
Mineralienatlas.de


Überblick über den Hauptort und die Insel Ternate (Aufnahme 2012)
Foto: Flickr


Der Vulkan Gamalama von Bula aus (im Norden der Insel, Aufnahme 2010).
Foto: Panoramio


Ternate auf einer Darstellung aus dem Jahr 1760 (Vüe de Ternate).
Stich: Nicolaus Bellin


Geologische Karte von Halmahera samt vorgelagerten Inseln.
Quelle: Grant Davey, Dan Olberg (PT Nusa Halmahera Minerals)








Vulkan des Monats August: Gamalama

Indonesien (Ternate)
0.80°N, 127.33°E
Laufnummer Global Volcanism Program: 0608-06
Gipfelhöhe: 1715 mü.M.
Kurzcharakteristik: Stratovulkan


Was für den Dukono, den Ibu und den Gamkonora galt, die hier in den Monaten Mai, Juni und Juli portraitiert worden sind, gilt ebenso für den Gamalama*: Auch bei diesem Stratovulkan sind kaum genaue Informationen über das aktuelle Geschehen** aufzutreiben. Dabei gehört er zu den besonders rege tätigen Vulkanen Indonesiens.

Das hat wohl vor allem damit zu tun, dass der Gamalama ebenfalls auf einer Molukkeninsel aufragt, aber nicht auf Halmahera selbst wie die drei anderen oben erwähnten Vulkane, sondern auf der kleinen Insel Ternate, die der Westküste Halmaheras vorgelagert ist. Selbst vulkanologisch Interessierte finden nur selten den Weg in diese abgelegenen Ecke Indonesiens. Zudem ist auch Ternate von religiös motivierten und gewalttätig ausartenden Konflikten erschüttert worden, was einen Besuch dieser Gegend noch unattraktiver macht.

Welch ein Unterschied zur Situation im frühen 16. Jahrhundert. Damals war Ternate ein bevorzugtes Ziel, um die begehrten Gewürznelken einzuhandeln, welche an den meeresnahen Hängen des Gamalama besonders gut gediehen: 1512 erreichten portugiesische Seefahrer erstmals Ternate, ein Jahrzehnt später richteten sie dort ein Handelskontor ein, und seit jener Zeit sind die Eruptionen des Gamalama einigermassen zuverlässig dokumentiert.

Jedenfalls sind in der Datenbank des Global Volcanism Program (GVP) ab dem Jahr 1538 rund sechzig Eruptionsphasen vermerkt. Meist handelte es sich um schwache bis moderate Ereignisse, die keine bedeutenden Auswirkungen hatten. Allerdings gab es ab und zu auch folgenschwerere Eruptionen. Bemerkenswert ist vor allem das Geschehen im Herbst des Jahres 1775. Damals beschränkte sich die explosive Tätigkeit nicht bloss auf den Gipfelbereich, sondern erfasste auch die nordwestliche Vulkanflanke, wo in Küstennähe zwei Maare ausgesprengt wurden, die heute mit Seen gefüllt sind: Danau Tolire Besar bzw. Danau Tolire Kecil. Begleitet wurden diese Vorgänge von der Ausbreitung pyroklastischer Ströme, was zahlreiche Opfer forderte.

Auch in jüngerer Zeit gab es heftige Ausbrüche. So erreichte die explosive Tätigkeit im September 1980 eine solche Intensität, dass angeblich gegen 40000 der damals rund 60000 Inselbewohner vorübergehend auf benachbarte Inseln flohen. Bedrohlich waren einerseits die von glühenden Auswürfen entfachten Busch- und Waldbrände, andererseits der starke Aschenfall, der die Hauptsiedlungsgebiete auf Ternate eindeckte.

Eine weitere Gefahr zeigte sich im Dezember 2011, als eine Eruptionswolke kilometerhoch über dem Gipfel des Gamalama aufstieg. Schwere Regenfälle mobilisierten stellenweise die frischen Ascheablagerungen, die dann in geschiebeführenden Bächen oder als eigentliche Schlammströme (Lahare) zu Tal schossen. Davon wurden mehrere Menschen erfasst sowie Häuser zerstört. Da sich die Bevölkerungszahl der 112 Quadratkilometer messenden Insel mittlerweile auf rund 200000 erhöht hat, breiten sich immer mehr Siedlungsgebiete in höhere und exponiertere Lagen aus – wodurch auch die Risiken bei künftigen Ausbrüchen unweigerlich zunehmen.


* Der Name Gamalama bezog sich ursprünglich auf den am Hafen liegenden Hauptort der Insel Ternate: gamu + lamu = altes Dorf, alter Platz.


** Auf Youtube findet sich immerhin ein Filmchen über eine Begehung des Gamalama im Jahr 2010:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=jkxGFDnyC2w

Link zu einem Video über die Situation im Dezember 2011, als starke Regenfälle die vulkanische Tätigkeit überlagerten:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=Jz0sqStyQbU


Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im Juni 2014 tätige Vulkane

Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Zhupanovsky, Kamtschatka/Russland
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Chirpoi, Südliche Kurilen
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Nishino-shima, Japan
Sinabung, Indonesien
Marapi, Indonesien
Krakatau, Indonesien
Slamet, Indonesien
Semeru, Indonesien
Sangean Api, Indonesien
Paluweh (Rokatenda), Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Ibu, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea (Dauertätigkeit)
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville (Dauertätigkeit)
Tinakula, Salomonen (Dauertätigkeit)
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Cleveland, Alaska/USA
Shishaldin, Alaska/USA
Pavlov, Alaska/USA
Veniaminof, Alaska/USA
Colima, Mexiko
Popocatepetl, Mexiko
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala
San Miguel, San Salvador
Poas, Costa Rica
Reventador, Ecuador
Sangay, Ecuador (Dauertätigkeit)
Ubinas, Peru
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyamuragira, Kongo
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Piton de la Fournaise, Réunion
Heard Is., Australien
Barren Is., Indien
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP


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