Redaktion & Produktion


Vulkan des Monats Mai:
Vesuv (Italien)
Kartengrundlage:
mineralienatlas.de


Foto: 340th Bombardement Group


Foto: 47th Bombardement Group


Foto: 47th Bombardement Group


Foto: Archiv LIFE Magazine


Foto: Archiv LIFE Magazine


Foto: Archiv LIFE Magazine


Aschensturm über der kriegszerstörten Umgebung des Vesuvs.
Foto: Archiv LIFE Magazine


Aschenfall trifft vesuvnahen Kriegsflugplatz und zerstört Flugzeuge.
Foto: 340th Bombardement Group


Aschenfall von nahen Vesuv trifft Kriegsflugplatz in der Nähe von Pompeii.
Foto: 340th Bombardement Group

Vulkan des Monats Mai: Vesuv

Italien (Bucht von Neapel)
40.82°N, 14.43°E
Laufnummer Global Volcanism Program: 0101-02
Gipfelhöhe 1282 mü.M.
Kurzcharakteristik: Sommavulkan

Erst vor 71 Jahren, mitten in den Wirren des Zweiten Weltkriegs, formte sich der Vesuvgipfel mit dem tiefen Kraterschlund, den wir heute kennen. Im Frühjahr 1944 kündigten Erdstösse neue Eruptionen an, und tatsächlich begann am Nachmittag des 18. März ein tagelang anhaltender Lavaausfluss. Der glühende Strom soll mit einer Geschwindigkeit von 100 Metern pro Stunde zwischen dem alten Observatorium und dem westlichen Ende des Monte Somma hindurchgeflossen sein. Er erreichte vor allem Teile der Ortschaften San Sebastiano al Vesuvio und Massa di Somma. Ein kleinerer Lavastrom verschlang zudem die Standseilbahn, die einst auf den Gipfel führte, und erfasste die Geleise deren Zubringerbahn. In einer zweiten Phase des Ausbruchs stiegen am 21. und 22. März 1944 mehrere Lavafontänen stundenlang über dem Krater auf. Unmittelbar danach setzte die dritte Phase ein, die durch gemischte Explosionen und den Ausstoss riesiger Aschenmengen gekennnzeichnet war. Begleitet wurden die Eruptionen durch den wiederholten Niedergang von pyroklastischen Strömen.

Obwohl diese Ereignisse nicht nur das Aussehen des Gipfels markant veränderten, sondern auch den Vormarsch alliierter Truppen zeitweise stark behinderten, wurden diese Vorgänge ausserhalb der betroffenen Region kaum wahrgenommen. Sogar Fotos des Ausbruchs blieben rar, denn die militärischen Aufnahmen fanden damals naturgemäss keine Verbreitung. Doch inzwischen sind etwa auf den Webseiten von Veteranenverbänden der amerikanischen Luftwaffe eine ganze Reihe von interessanten Fotos zugänglich gemacht worden, und auch das Bildarchiv des einst berühmten Magazins LIFE birgt entsprechende Schätze (vgl. Bildstrecke links).

Darüber hinaus gibt es ein bemerkenswertes, wenig bekanntes literarisches Stimmungsbild zu den damaligen Ereignissen, gezeichnet von Curzio Malaparte in seinem Roman «Die Haut». Der deutschstämmige italienische Journalist, der eigentlich Kurt Erich Suckert hiess, kämpfte damals als Offizier des italienischen Befreiungskorps auf Seiten der Alliierten. Als Verbindungsoffizier zu den Amerikanern hielt er sich auch häufig in Neapel auf und hatte dadurch Gelegenheit, die Vorgänge unmittelbar zu erleben: «Der Vesuv brüllte fürchterlich in die rote Finsternis der angsterfüllten Nacht, und ein Schluchzen der Verzweiflung legte sich über die unglückliche Stadt.»

Heimatlos gewordene Flüchtlinge strömten mit ihren Tieren und Habseligkeiten in die Stadt, und am Dom, wo die Reliquien des San Gennaro aufbewahrt werden, kam es zu Tumulten: «Die amerikanischen Soldaten, die unter diese fürchterliche Menge geraten waren, welche sie in ihrer Kopflosigkeit kreuz und quer herumzerrte, sie hin und her stiess und verprügelte wie in einem deutschen Höllensturm, selbst diese armen Amerikaner schienen von uralter Angst und Wut befallen zu sein. Ihre Gesichter waren verkrustet von Schweiss und Asche, die Uniformen in Fetzen.»

Angesichts der Naturgewalten habe es keine Sieger und keine Besiegten mehr gegeben, sondern nur noch Menschen, die zu überleben suchten. Dichte Menschenscharen, darunter offenbar auch viele amerikanische Soldaten, strömten in panischer Flucht aus hundert Gassen zum Hafen hinab: «Dort unten, am Ende des Platzes, versuchten Schwärme amerikanischer Soldaten die Gitter, die den Hafen absperren, zu sprengen, die dicken Eisenstangen zu brechen. Die Sirenen der Schiffe heulten mit heiseren, klagenden Schreien um Hilfe; auf den Verdecken, längs der Verschanzungen, nahmen in aller Hast Trupps bewaffneter Matrosen Aufstellung, wilde Handgemenge entwickelten sich auf den Hafenmolen und Landungsstegen zwischen Matrosen und angstgejagten Soldaten, die zum Sturm auf die Schiffe ansetzten, um sich vor dem Wüten des Vesuvs in Sicherheit zu bringen.»

Am 21. März 1944 hörte die eigentliche Lavaförderung auf. Dagegen dauerten die von Erdbeben begleiteten Explosionen im tief ausgeräumten Krater und der Auswurf von Lockermaterial noch einige Wochen an. Irgendwann in diesen Tagen fuhr Curzio Malaparte zusammen mit amerikanischen Offizieren im offenen Jeep nach Pompeji: «Kaum hatten wir Herculaneum passiert, peitschte ein heisser Schlammregen uns das Gesicht. Hoch über uns knurrte drohend der Vesuv, hohe Fontänen glühender Steine ausspeiend, die zischend zur Erde herabfielen. Kurz vor Torre del Greco überraschte uns ein plötzlicher Lapilliregen.»

Gleichzeitig wühlten sich Kolonnen amerikanischer Lastwagen durch die staubbedeckten Wege, um die Menschen in der Umgebung des Vulkans mit Lebensmitteln, Medikamenten und Kleidung zu versorgen. Für viele kam aber jede Hilfe zu spät: «Gruppenweise gingen amerikanische Soldaten, das Gesicht hinter Schutzmasken verborgen, schwankend über die Felder und trugen Bahren, sammelten Verletzte ein, führten Gruppen von Frauen und Kindern zu einer auf der Autostrasse haltenden Wagenkolonne. Einige Tote lagen ausgestreckt am Strassenrand bei einem zerfallenen Haus; ihre Gesichter waren in eine Schale von harter, weisser Asche eingemauert, so dass es aussah, als hätten sie ein Ei an Stelle des Kopfes.»

Im April 1944 verstummte der Vesuv. Der typische, zuvor jahrzehntelang sichtbare innere Kegel war durch die Eruptionen verschwunden, und an seiner Stelle öffnete sich nun ein grosses, gut 300 Meter tiefes Loch. Damit endete die bislang jüngste Ausbruchsperiode des Vesuvs. Nur noch die an der Kraterwand und im Hafen von Torre del Greco dampfenden Gasaustritte zeugen von der tief im Erdinnern schlummernden vulkanischen Energie, und gelegentlich weisen leichte Erdbeben auf Bewegungen im Untergrund hin. Denn der Vesuv schläft. Aber sein Herz pocht.



Empfohlene Links:

Zeitgenössischer Wochenschau-Film mit dramatischen Bildern von den Ereignissen im Frühjahr 1944:
http://youtu.be/1bsmv6PyKs0

Vom Aschenfall lahmgelegtes Pompeii-Airfield:
http://youtu.be/o4CedSfQP8Y











Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im April 2015 tätige Vulkane

Bardarbunga, Island
Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Zhupanovsky, Kamtschatka/Russland
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Kljutschewskoj, Kamtschatka
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Chikurachki, nördl. Kurilen
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Aso, Japan
Nishino-shima, Japan
Sinabung, Indonesien
Slamet, Indonesien
Semeru, Indonesien (Dauertätigkeit)
Raung, Indonesien
Sangean Api, Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Soputan, Indonesien
Karangetang, Indonesien
Gamalama, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Ibu, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea (Dauertätigkeit)
Lagila, Neubritannien (Dauertätigkeit)
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville (Dauertätigkeit)
Tinakula, Salomonen (Dauertätigkeit)
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Shishaldin, Alaska/USA
Colima, Mexiko
Popocatepetl, Mexiko
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala (Dauertätigkeit)
San Miguel, San Salvador
Poas, Costa Rica
Turrialba, Costa Rico
Reventador, Ecuador
Tungurahua, Ecuador
Sangay, Ecuador (Dauertätigkeit)
Copahue, Chile/Argentinien
Villarica, Chile
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyamuragira, Kongo
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Piton de la Fournaise, Réunion
Heard Is., Australien
Barren Is., Indien
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP


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