Redaktion & Produktion


Vulkan des Monats September:
Kilauea (USA)
Kartengrundlage:
mineralienatlas.de


William Pinkney Toler:
Kilauea Volcano
(1860er-Jahre)


Jules Tavernier:
Kilauea Caldera
(späte 1880er-Jahre)


Jules Tavernier:
Volcano at Night
(späte 1880er-Jahre)


Jules Tavernier:
New Lake Volcano Of Kilauea
(1887)


David Howard Hitchcock:
Halemaumau, Lake of Fire
(1888)


Eduardo Lefebvre Scovell:
Kilauea
(um 1890)


Ogura Yonesuke Itoh:
Kilauea
(1908)


Bildquelle: Wikimedia Commons

Vulkan des Monats September: Kilauea

USA, Hawaii
19.43°N, 155.30°W
Laufnummer Global Volcanism Program: 33210 (ex 1302-01)
Gipfelhöhe: 1222 mü.M.
Kurzcharakteristik: Schildvulkan

Nach der Sommerpause gilt die Aufmerksamkeit wieder einmal Big Island, der grössten Insel im Hawaii-Archipel, und dort dem Vulkan Kilauea. Dessen jüngste Eruptionsphase begann bereits vor mehr als 32 Jahren, genauer gesagt am 3. Januar 1983, und sie dauert seither ununterbrochen an. Immer wieder erreichen uns deshalb spektakuläre Fotos oder Videosequenzen von diesem Ort mitten im Pazifischen Ozean, und es sieht ganz so aus, als ob das auch in den nächsten Jahren der Fall sein dürfte.

Aber auch schon während früherer Eruptionsphasen war das vulkanische Geschehen auf Big Island faszinierend. Deshalb nahmen bereits im 19. Jahrhundert nicht wenige Reisende den langen Schiffsweg zu diesen abgelegenen Schauplätzen in Kauf. Denn neben dem Kilauea ist zu jener Zeit auch der benachbarte Mauna Loa* häufig ausgebrochen.

Zu den Besuchern, welche zu den entsprechenden Ausbruchsstellen pilgerten, gehörten auch Maler wie Jules Tavernier (Franzose, 1844-1889), Ernst William Christmas (Australier, 1863-1918), Constance Frederica Gordon-Cumming (Schottin, 1837-1924), Charles Furneaux (Amerikaner, 1835-1913), David Howard Hitchcock (Amerikaner, 1861-1943), Ogura Yonesuke Itoh (Japaner, 1870-1940), Ambrose McCarthy Patterson (Australier, 1877-1966), Titian Ramsey Peale (Amerikaner, 1799-1885), Louis Pohl (Amerikaner, 1915-1999), Eduardo Lefebvre Scovell (Engländer, 1864-1918), William Pinkney Toler (Amerikaner, 1826-1899), Joseph Dwight Strong (Amerikaner, 1852-1899) oder Lionel Walden (Amerikaner, 1861-1933). Sie alle dokumentierten das feurige Geschehen in mitunter dramatisch überzeichneten Gemälden und Zeichnungen und profitierten offenbar von einer regen Nachfrage nach solchen Werken, die Zeugnis und Souvenir zugleich waren.

Konkurrenz hatten diese Maler vorerst nicht zu fürchten. Fotoapparate, die damals allmählich Verbreitung fanden, waren noch zu unhandlich, um an die interessanten Stellen geschafft zu werden. Farbige Bilder lieferten diese schweren Kästen ohnehin nicht, ebensowenig wie Nachtaufnahmen, und die damals nötigen Belichtungszeiten wären den dynamischen Abläufen einer Eruption sowieso nicht gerecht geworden. So etablierte sich auf Big Island eine eigentliche Schule von Vulkanmalern, deren spezielle Werke heute in der Inselhauptstadt Hilo (im Lyman Museum), in Honolulu (im Bishop Museum bzw. im Honolulu Museum of Art) und an vielen anderen Orten Sammlungen und Ausstellungen bereichern.

Zu den herausragenden Figuren dieser hawaiianischen «Volcano-School» gehörte Jules Tavernier, ein in Paris gebürtiger Franzose, der angeblich mit beiden Händen gleichzeitig malen konnte. Seit den 1870er-Jahren ist er durch Amerika gezogen, auch als Illustrator für Harpers Magazine, um schliesslich 1884 nach Hawaii überzusiedeln. Offenbar ist er vor seinen zahlreichen Gläubigern dorthin geflohen. Eine kluge Entscheidung: Die elementare Wucht, die auf diesen Vulkaninseln Land und Leute prägt, entsprach dem aufbrausenden Temperament dieses stürmischen Trinkers in jeder Beziehung.

Jedenfalls war Tavernier in der Lage, das dämonische Geschehen in besonders eindrücklichen Gemälden festzuhalten. Zudem liebte er den grossen Wurf. 1886 fertigte er ein 11 Meter hohes und 90 Meter langes, von innen her zugängliches 360-Grad-Rundbild an: «The Great Panorama of Kilauea». Es konnte zuerst während einer Ausstellung in Hilo bestaunt werden, danach auch auf Maui, in Honolulu und schliesslich in San Francisco. Geplant waren weitere Schaustellungen in Chicago, Philadelphia, Boston oder sogar London. Aber zuvor ist das Panorama von einem der alten Gläubiger Taverniers beschlagnahmt und in einen alten Speicher in Maine verfrachtet worden. Seither hat man (leider) nichts mehr von diesem Wunderwerk gesehen...



* Der Kilauea ist nur einer von vier aktiven Vulkanen auf Big Island, der grössten Insel des Hawaii-Archipels. Die anderen drei sind der Mauna Loa, der Mauna Kea und der Hualalai. Der Kilauea befindet sich auf der südöstlichen Seite von Big Island. Topografisch bildet er zwar lediglich eine Aufwölbung an der Flanke des 4170 Meter hohen Mauna Loa. Doch der Kilauea hat ein eigenes, an die 60 Kilometer tief reichendes Fördersystem, das unabhängig ist von demjenigen des viel mächtigeren Nachbarn. Und der Kilauea ist ein besonders rege tätiger Vulkan, dessen Oberfläche zu 90 Prozent jünger ist als 1100 Jahre.


Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im August 2015 tätige Vulkane

Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Zhupanovsky, Kamtschatka/Russland
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Kljutschewskoj, Kamtschatka
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Aso, Japan
Nishino-shima, Japan
Sinabung, Indonesien
Slamet, Indonesien
Semeru, Indonesien (Dauertätigkeit)
Raung, Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Soputan, Indonesien
Karangetang, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Ibu, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea (Dauertätigkeit)
Lagila, Neubritannien (Dauertätigkeit)
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville (Dauertätigkeit)
Tinakula, Salomonen (Dauertätigkeit)
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Shishaldin, Alaska/USA
Colima, Mexiko
Popocatepetl, Mexiko
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Pacaya, Guatemala (Dauertätigkeit)
San Miguel, El Salvador
Telica, Nicaragua
Poas, Costa Rica
Turrialba, Costa Rico
Reventador, Ecuador
Cotopaxi, Ecuador
Tungurahua, Ecuador
Sangay, Ecuador (Dauertätigkeit)
Wolf, Galapagos
Copahue, Chile/Argentinien
Villarica, Chile
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyamuragira, Kongo
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Piton de la Fournaise, Réunion
Heard Is., Australien
Barren Is., Indien
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
SVEUROP

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