Redaktion & Produktion


Vulkan des Monats Februar:
Yellowstone (USA/Wyoming)
Kartengrundlage:
mineralienatlas.de


Vor 640000 Jahren: Die mächtigen Ablagerungen am Tuff Cliff zeugen von der damaligen Supereruption, welche die eigentliche Yellowstone Caldera formte.


Vor 640000 Jahren bis vor 72000 Jahren: Nach der bislang letzten Supereruption gab es um die 30 Eruptionsphasen, in denen Lavaströme die Yellowstone Caldera überformten.


Vor 72000 Jahren bis heute: Seit dem Austritt des bislang letzten Lavastroms ereigneten sich nur noch Dampfexplosionen, bei denen kein frisches Magma gefördert wurde.


Vor 3500 Jahren: Die bislang jüngste Dampfexplosion von nennenswerter Grösse sprengte den Indian Pond Crater am Nordende des Yellowstone Lake aus.


Und hier der Indian Pond im Winter.

Vulkan des Monats Februar: Yellowstone

USA/Wyoming
44.43°N, 110.67°W
Laufnummer Global Volcanism Program: 325010 (ex 1205-01)
Gipfelhöhe: 2805 mü.M.
Kurzcharakteristik: Caldera

Als ob der alltägliche Wahnsinn nicht schon genug Schreckensmeldungen liefern würde, geistern mit schöner Regelmässigkeit auch noch Szenarien über einen bald stattfindenden Ausbruch eines sogenannten Supervulkans* durch die Medien. Als bevorzugter Schauplatz dieser Weltuntergangsvariante wird dabei meist eine überaus idyllische Gegend ins Spiel gebracht: der Yellowstone-Nationalpark im US-Bundesstaat Wyoming. Die vulkanischen Strukturen in diesem Gebiet seien eine tickende Zeitbombe, und wenn es einmal soweit sei, würden die heute als globale Bedrohung gefürchteten Völkerwanderungen, Finanzkrisen oder Terrorangriffe geradezu zu milden Bagatellen.

Höchste Zeit also, Martin Luther zu folgen und Apfelbäumchen zu pflanzen. Denn in gerade mal 70 Jahren soll es soweit sein. Das jedenfalls verkündete jüngst die amerikanische Zeitschrift Tech Times, und die Meldung wurde von der International Business Times gierig abgeschrieben und unter eine grosse Schlagzeile gesetzt. Dabei berief man sich auf den Bericht «Extreme Geohazards: Reducing the Disaster Risk and Increasing Resilience», den die European Science Foundation (ESF) herausgegeben hat.

Was beide Artikel verschwiegen: Der erwähnte ESF-Bericht ist weder aktuell (er erschien bereits im April 2015), noch enthält er aufsehenerregende Neuigkeiten aus der aktuellen Forschung. Vielmehr ist dieser ESF-Bericht ein in Kleinauflage erschienenes bürokratisches Positionspapier, das - wie schon hunderte solcher Schreibtischübungen zuvor - bloss unverbindliche Allgemeinplätze zum Umgang mit Naturrisiken wiederkäut. Selbst der Yellowstone wird darin lediglich am Rande erwähnt. Daraus obige Hiobsbotschaft abzuleiten, ist kompletter Unsinn.

Natürlich hat der Yellowstone in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass er ein enormes Potenzial hat. Herausragende Ereignisse waren gleich drei Supereruptionen, in deren Verlauf unvorstellbar grosse Materialmengen gefördert worden sind. Die erste setzte vor rund 2,1 Millionen Jahren ein, formte letztlich die 75 Kilometer weite Island Park-Caldera und hinterliess die als «Huckleberry Ridge-Tuff» bezeichneten Ablagerungen (mehr als 2500 Kubikkilometer Auswurfmaterial).

Die zweite geschah vor rund 1,3 Millionen Jahren, überformte den westlichen Rand der Island Park-Caldera mit der 16 Kilometer weiten Henrys Fork-Caldera und hinterliess die als «Mesa Falls-Tuff» bezeichneten Ablagerungen (rund 300 Kubikkilometer Auswurfmaterial). Die dritte schliesslich kulminierte vor rund 640000 Jahren, bildete die eigentliche Yellowstone-Caldera und hinterliess die als «Lava Creek-Tuff» bezeichneten Ablagerungen (rund 1000 Kubikkilometer Auswurfmaterial).

Trotz ihrer enormen Wucht haben diese Supereruptionen überraschend geringe Spuren in der Landschaft hinterlassen. Denn die eigentliche Yellowstone-Caldera, die an ihrer breitesten Stelle an die 70 Kilometer misst, ist in der Zeit nach der letzten Supereruption durch Lavaergüsse wieder weitgehend aufgefüllt worden. Der USGS schreibt von rund 30 Eruptionsphasen, in denen sich vorwiegend rhyolitische Laven innerhalb der Yellowstone-Caldera grossflächig ausbreiteten! Letztmals geschah das vor 72000 Jahren im Süden des Parks, auf dem Pitchstone Plateau. Darüber hinaus gab es Bodenhebungen, welche die Hohlform der Caldera ebenfalls minderten, zudem haben inzwischen auch Gletscher die Landschaft überformt und Wälder viele Narben in der Erdkruste verdeckt.

Seit dem letzten Lavaerguss vor 72000 Jahren ereigneten sich im Yellowstone bloss noch phreatische Explosionen, die durch überhitztes Grundwasser ausgelöst wurden und die kein frisches Magma förderten. Solche Ereignisse können zwar sehr wuchtig sein und auch grössere Krater hinterlassen, etwa die Mary Bay am Nordende des Yellowstone Lake, die einen Durchmesser von mehr als 2 Kilometer hat und die vor etwa 14000 Jahren ausgesprengt worden ist. Dennoch sind das keine Ereignisse, bei denen gleich Weltuntergangsstimmung aufkommen muss.

Weitere nennenswerte phreatische Explosionen gab es im wasserreichen Yellowstone laut Datenbank des Global Volcanism Program (GVP) vor etwa 10000 Jahren (Turbid Lake), vor etwa 8000 Jahre (Elliotts Crater), vor etwa 5000 Jahren (Duck Lake, Evil Twin Craters) und vor etwa 3500 Jahren (Indian Pond). Und der USGS erinnert auf seiner Website, dass sich auch in jüngster Zeit eine Dampfexplosion ereignet habe, allerdings nur eine sehr bescheidene, und zwar am 5. September 1989 im Porkchop Geyser (Norris Geyser Basin).

Angesichts dieses Verlaufs ist es wenig hilfreich, bei jedem Grummeln im Untergrund der Yellowstone-Caldera gleich eine Supereruption herbeizureden bzw. herbeizuschreiben!



* Der Begriff Supervulkan hat sich erst seit einigen Jahren eingebürgert und gilt ganz allgemein für besonders machtvolle Eruptionen, die ein Auswurfvolumen von 500 Kubikkilometern und mehr haben. Der amerikanische geologische Dienst (USGS) geht sogar noch weiter und spricht erst ab einem Auswurf von über 1000 Kubikkilometern von einem Supervulkan. So oder so: Supervulkane sind eine Klasse für sich. Derzeit sind fünf Gebiete anerkannt, in denen in jüngerer geologischer Vergangenheit bei einer Vulkaneruption mehr als 600 Kubikkilometer Gesteinsmaterial ausgeworfen worden sind: auf Sumatra (Tobasee), in Japan (Aso), auf der Nordinsel Neuseelands (Tauposee) sowie in der Long-Valley-Caldera und eben in der Yellowstone-Caldera auf dem Gebiet der heutigen USA. Zum Vergleich: Beim aufsehenerregenden Kollaps des Mount St. Helens im Frühjahr 1980 ist gerade mal 1 Kubikkilometer ausgeworfen worden.










Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

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Quellen:
Global Volcanism Program
NASA Earth Observatory
Eruptions/Erik Klemetti
Volcano Live/John Seach
Culture Volcan

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