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Der Heisei-Shinzan ist nicht nur die höchste Erhebung im Unzenkomplex, sondern auch die jüngste. Sie entstand durch die von 1991 bis 1995 anhaltende Eruptionsperiode.


Inzwischen hat sich die Lage am Unzen beruhigt: Eine Luftseilbahn bringt Touristen vom Nita-Pass aus in Sichtweite des Gipfels.


Gigantische Gerinneverbauungen begrenzen die Auswirkungen der häufig vorkommenden Schlammströme (Lahare).


Hufeisenförmige Abbruchsnische der vor 218 Jahren kollabierten Ostflanke des Mayu-Yama, während im Hintergrund der Heisei-Shinzan aufragt.


Die Unzen-jigoku (die Unzen-Hölle) war im 17. Jahrhundert Folter-Schauplatz von Anhängern des christlichen Glaubens und von Kriminellen. Aber schon damals wurden die heissen Quellen auch als Heilbäder genutzt, und das hat sich bis heute nicht geändert.

Fotos: Felix Frank (2010)

Vulkan des Monats September: Unzen

Japan (Kyushu)
32.75°N, 130.30°E
0802-10 (Laufnummer Global Volcanism Program)
Gipfelhöhe: 1483 mü.M. (Heisei Shinzan)
Kurzcharakteristik: Vulkankomplex

Als Unzen wird ein Vulkankomplex bezeichnet, der knapp 40 Kilometer östlich von Nagasaki die dicht bewaldete und zerklüftete Shimabara-Halbinsel beherrscht und der aus mehreren Gipfeln und Kratern besteht. Der höchste Punkt ist heute der knapp 1500 Meter hohe Heisei Shinzan. In seiner unmittelbaren Nachbarschaft erheben sich der Fugen-dake (1359 Meter), der Kunimi-dake (1347 Meter), der Myoken-dake (1333 Meter) und der No-dake (1142 Meter), während sich im Westen der Kusenbu-dake (1062 Meter) und im Osten der doppelgipfelige, erst 4000 Jahre alte Mayu-yama-Lavadom (818 Meter) anschliessen.

In historischer Zeit konzentrierte sich die vulkanische Tätigkeit auf den Gipfel und die Flanken des Fugen-dake. Dazu gehörte eine Eruptionsperiode, die Ende 1791 einsetze und schon bald dramatische Folgen haben sollte: Am 21. Mai 1792 führten die mit den Ausbrüchen einhergehenden Starkbeben bzw. Bodenaufwölbungen dazu, dass die labile Ostflanke des Mayu-yama-Lavadoms schlagartig kollabierte. Mit hoher Geschwindigkeit brandeten die destabilisierten Gesteinsmassen ins Meer und verursachten einen Tsunami, der sich durch die Ariake-See ausbreitete. Die Folgen waren fatal. In den Dörfern am Fuss des Berges und entlang der umliegenden Küsten kamen knapp 15000 Menschen ums Leben und 6000 Häuser wurden zerstört. Noch heute ist die hufeisenförmige Ausbruchsnische gut erkennbar, die sich im Mayu-yama nach dem Abgleiten der Bergflanke gebildet hatte, und in der Bucht vor Shimabara bilden die damaligen Schuttablagerungen eine ganze Gruppe von Inseln. Insgesamt sind damals Trümmer mit einem Volumen von 340 Millionen Kubikmetern abgerutscht.

Nach diesem verheerenden Ereignis blieb es am Unzen offenbar während langer Zeit ruhig. Erst im November 1989 gab es erneut Erdbeben, die offensichtlich mit aufsteigendem Magma in Zusammenhang standen. Sie setzten in einer Tiefe von 20 Kilometern unter der Tachibana-Bucht ein und wanderten - mit abnehmender Herdtiefe - an der Chijiwa-Bruchzone ostwärts, bis sie im Juli 1990 unter dem Fugen-dake lagen. In den folgenden Wochen nahmen die Magmaströme im Untergrund weiter zu; ein erneuter Ausbruch wurde immer wahrscheinlicher.

Am 17. November 1990, nach einer 198 Jahre dauernden Ruhephase, war es schliesslich soweit. Den Auftakt machten schwache phreatomagmatische Eruptionen. Dampf- und Aschewolken stiegen auf, und es bildeten sich zwei kleine Herde östlich und südlich des älteren Jigoku-ato-Kraters. Dampfausstösse und seismische Aktivitäten hielten an, doch erst ab 12. Februar 1991 kam es zu weiteren, diesmal stärkeren phreatomagmatischen Eruptionen in diesem Gebiet. Der Ausstoss von Laven begann schliesslich am 20. Mai 1991. Diese dacitischen Laven waren so zäh, dass sie nicht abflossen, sondern eine erste Staukuppe aufbauten, der im Laufe der Zeit noch viele weitere folgen sollten.

Mit zunehmender Grösse verlieren solche Staukuppen durch den in ihrem Innern aufgebauten Gasdruck und durch die nachdrängende Schmelze allmählich ihre Stabilität. Immer wieder brachen deshalb auch am Unzen Teile dieser neu gebildeten Formationen in sich zusammen. Dabei wurden schlagartig gewaltige Mengen hochgespannter Gase freigesetzt, die sich in Druckwellen umsetzten und, vermischt mit glühenden Aschen und Gesteinstrümmern, verheerende Glutlawinen (pyroklastische Ströme) mobilisierten.

Mehr als 10000 Menschen mussten zeitweise aus den gefährdeten Gebieten evakuiert werden. Doch trotz der vielen pyroklastischen Ströme, deren Zahl schliesslich in die Tausende gehen sollte, hielten sich immer wieder Personen in den Sperrzonen auf. Selbst ausgewiesene Fachleute unterschätzten offenbar die tödliche Gefahr, die von solchen vulkanischen Massenbewegungen ausgeht. Das zeigte der tragische Vorfall am 3. Juni 1991, als eine besonders wuchtiges Ereignis dem Mizunashi-Tal folgte, bis Kamikoba vorstiess und auf ihrem Weg eine Gruppe von 43 Personen erfasste. Unter den Todesopfern befanden sich neben Reportern, Angehörigen von Polizei und Wehrdiensten, Taxifahrern sowie Anwohnern auch das weltweit bekannte Vulkanologenpaar Katia und Maurice Krafft aus dem Elsass sowie der amerikanische Vulkanologe Harry Glicken, der sich durch seine Forschungen am Mount St. Helens einen Namen gemacht hatte.

Das Wechselspiel aus explosiven Ausbrüchen, Lavaextrusionen, einstürzenden Staukuppen, zu Tal schiessenden Glutlawinen und Schlammströmen, welche die frisch abgelagerten Lockermaterialien bis zum Meer verfrachteten, dauerte noch jahrelang an und ebbte erst 1995 ab (wobei noch im Frühjahr 2006 mehrmals Staukuppen kollabierten). In dieser langen Zeit sind hunderte von Häusern vernichtet und landwirtschaftliche Nutzflächen grossflächig zerstört worden, und am Unzen selbst hat sich die Landschaft auffallend verändert: War der Fugen-dake bis 1991 ein zugewachsener, grüner Berg, so ist seine Gipfelregion heute kahl und wüst und wird durch die an seiner Ostflanke entstandene Staukuppe überragt.




Buchtipp:

Felix Frank
Gefahrenzone Erde.
Vulkanausbrüche - Erdbeben - Tsunamis
Ott Verlag, Bern

Vulkanismus aktuell

Im September 2010 tätige Vulkane:

Stromboli, Italien (Dauertätigkeit)
Ätna, Italien (Dauertätigkeit)
Karymsky, Kamtschatka/Russland
Kljutschewskoj, Kamtschatka/Russland
Shiveluch, Kamtschatka/Russland
Ekarma, Nördl. Kurilen/Russland
Suwanose-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Sakura-jima, Japan (Dauertätigkeit)
Pagan, Nördl. Marianen/USA
Seulawah Agam, Indonesien
Sinabung, Indonesien
Batu Tara, Indonesien
Dukono, Indonesien (Dauertätigkeit)
Manam, Papua-Neuguinea
Ulawun, Neubritannien
Rabaul, Neubritannien
Bagana, Bougainville
Ambrym, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Yasur, Vanuatu (Dauertätigkeit)
Kilauea, Hawaii/USA (Dauertätigkeit)
Cleveland, Alaska/USA
Santa Maria, Guatemala (Dauertätigkeit)
Fuego, Guatemala (Dauertätigkeit)
Arenal, Costa Rica (Dauertätigkeit)
Nevado del Huila, Kolumbien
Galeras, Kolumbien
Reventador, Ecuador
Sangay, Ecuador (Dauertätigkeit)
Soufriere Hills, Montserrat
Erta Ale, Aethiopien (Dauertätigkeit)
Ol Doinyo Lengai, Tansania (Dauertätigkeit)
Nyiragongo, Kongo (Dauertätigkeit)
Barren Island, Indien/Andamanensee
Erebus, Antarktis (Dauertätigkeit)

Quellen:
Global Volcanism Program
Volcano Hazards Program
Volcano Live/John Seach
Eruptions
NASA Earth Observatory
International Volcano Research Center
SVEUROP

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