Vulkan des Monats


Text- und Bildbeiträge von Felix Frank erschienen unter anderem in: Der Bund, Der kleine Bund, Tages-Anzeiger, Weltwoche, Basler Zeitung, Basler Magazin, NZZ.








Redaktor von:
Lötschberg-Basistunnel:
Vom Rohbau zum Bahntunnel
(Bern, 2007)


Beitrag in:
Der Tsunami.
Die Katastrophe - Die Hoffnung
(Olten, 2006)


Autor von:
Handbuch der 1350 aktiven Vulkane der Welt
(Thun 2003)


Autor von:
Vulkantouren in Italien
(Thun 1997)

Ein Schwerpunkt der publizistischen Arbeit von Felix Frank – er hat ursprünglich Geographie, Geologie und Nationalökonomie in Basel studiert und ist Diplomgeograf – ist die Umsetzung von Inhalten aus den Natur- und Umweltwissenschaften und der Technik. Vor allem ist Felix Frank fachjournalistischer Partner für die aktuelle Berichterstattung und für Hintergrundbeiträge zu Themen aus dem höchst aktuellen Bereich der Naturgefahren:

Tektonische Gefahren

Erdbeben und Tsunamis
Vulkanismus

Gravitative Gefahren

Überschwemmungen
Übersarungen
Ufererosionen
Murgänge, Rutschungen
Steinschlag, Blockschlag
Fels- und Bergsturz
Lawinen, Eisschlag

Klimatische Gefahren

Sturmwinde
Tropenstürme
Hagelschlag
Blitzschlag





Leseprobe

Beitrag in: Der Bund vom 2. November 2007

Wettlauf an der Unwetterfront

Weniger Unwetterschäden durch bessere Warnung und Alarmierung

Wetter- und Abflussdaten sind an sich reichlich vorhanden, stehen aber längst nicht immer dort zur Verfügung, wo sie im Krisenfall von Nutzen wären.

Sobald tosende Bäche Bäume entwurzeln und reissende Flüsse ganze Landstriche ertränken, und wenn der Berg nicht mehr ruft, sondern kommt, dann zeigt die Natur, was in ihr steckt: titanische Kräfte, denen auch Schutzbauten längst nicht immer gewachsen sind.

Ob es zu viel regnet, zu heftig schneit oder zu stark windet: Immer wieder gibt es Ereignisse, die weder gänzlich überschaubar noch völlig beherrschbar sind. Selbst sachgerecht festgelegte und allseits akzeptierte Bemessungsgrössen etwa für Hochwasser können in solchen Extremfällen überschritten werden.

Ausserordentlich hoch ansteigende Wassermassen erweisen sich deshalb immer wieder als eine ernste Gefahr, die sich wohl durch regelmässigen Unterhalt, planerische Massnahmen und Dammbauten mindern und eingrenzen, niemals aber gänzlich verhindern lässt. Das ist eine schmerzliche Erfahrung. Auch im Kanton Bern wird sie häufig genug gemacht, und daran ändert sich künftig kaum etwas. Alle Klimaprognosen stehen bekanntlich auf Sturm.

Damit die Schadensummen dennoch nicht ins Unermessliche ansteigen, gewinnen temporäre Massnahmen und eine umfassende Notfallorganisation zunehmend an Bedeutung. Einzelne Häuser können mit Sandsackbarrieren, mobilen Dämmen oder – falls genügend Zeit bleibt – sogar mit rasch hochgezogenen Mäuerchen vor Überschwemmungen geschützt werden. Das gelingt aber nur, wenn Unwetterprognosen verlässlich erhoben und entsprechende Warnungen rechtzeitig verbreitet und richtig verstanden werden.

An Beispielen, dass dieser Informationsfluss folgenschwere Mängel und Lücken aufweist, mangelt es offensichtlich nicht. So hätten allein während der schlimmen Unwetter im Sommer 2005 Sachschäden in der Grössenordnung von mehreren hundert Millionen Franken verhindert werden können, wenn alle Betroffenen frühzeitig Bescheid gewusst und im Rahmen ihrer Möglichkeiten, und seien sie noch so bescheiden, eigenverantwortlich gehandelt hätten.

Diese Bilanz zog Hans Peter Willi, im Bundesamt für Umwelt zuständig für die Gefahrenprävention, am letzten Dienstag in Zürich. Dort wurde an einer von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) durchgeführten Fachtagung darüber debattiert, wie die Warnung bei aussergewöhnlichen Naturereignissen besser als bisher organisiert werden kann.

An sich mangelt es nicht an geeigneten Partnern, die ihre Erkenntnisse auf ganz unterschiedlichen Kanälen und mit steigender Zuverlässigkeit verbreiten. Fein gewobene Messnetze, ausgeklügelte Wettermodelle und immer grösser werdende Rechnerkapazitäten haben vor allem die Prognosegenauigkeit der Wetterdienste in den vergangenen Jahren enorm verbessert. Doch ein Rest Chaos bleibt. Deshalb wetteifern inzwischen auch in der Schweiz staatliche und private Wetterdienste um die treffsicherste Vorhersage von Unwettern.

Auf staatlicher Seite betreibt MeteoSchweiz in enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Führungsorganen und der Nationalen Alarmzentrale (NAZ) ein mehrstufiges Unwetter-Warnsystem. Über geschützte Datenkanäle gelangen die Wettermeldungen direkt an die kantonalen Krisenstäbe und Fachstellen. Diese Unwetterwarnungen stellt MeteoSchweiz auch allen Nachrichtenagenturen, Radio- und Fernsehstationen und sogar den privaten Wetterbüros gratis zu.

Jörg Kachelmann und seine Mitstreiter von den privaten Wetterdiensten Meteomedia und Meteonews halten von diesem Angebot allerdings wenig und propagieren seit gut einem Jahr ihre eigene Unwetterzentrale, die sich auf ein besonders dicht gewobenes Netz von Wetterstationen abstützt. Dies erlaube es, so Kachelmann an der Tagung in Zürich, Unwetterwarnungen für nicht weniger als 151 Naturräume der Schweiz gesondert darzustellen.

Im Gegenzug muss nun auch MeteoSchweiz die räumliche Gliederung wesentlich verfeinern, da Jörg Kachelmann keine Gelegenheit auslässt, über die verschlafenen Unwetterwarnungen seiner staatlichen Konkurrenten herzuziehen. Gigantischer Technikaufwand und meteorologischer Spürsinn allein genügen offenbar nicht mehr, um die Nase im Wettergeschäft vorne zu haben. Effizientes Marketing und eine Spur Showtalent gehören inzwischen genauso dazu.

Solches Gerangel um Marktanteile führt allerdings zu einer gewissen Konfusion, unter der die Sache leidet. In erster Linie gehe es doch darum, Menschenleben zu retten und Sachschäden zu vermeiden, rief Charly Wuilloud, Chef der Sektion Naturgefahren des Kantons Wallis, den Tagungsteilnehmern eindringlich in Erinnerung. In Notsituationen habe er nicht Zeit, verschiedene Anbieter miteinander zu vergleichen, meinte Wuilloud: «Da brauche ich einen einzigen Ansprechpartner, der zuverlässig arbeitet und einfach, verständlich und ohne Übertreibung informiert.»

Die Realität sieht aber ganz anders aus. Die von MeteoSchweiz, wissenschaftlichen Institutionen sowie Bund und Kantonen betriebenen Messnetze arbeiten zum grossen Teil isoliert voneinander, und der Datenaustausch wird durch längst überholte Gebührenordnungen zusätzlich behindert. Deshalb steht das an sich vielfältige Datenangebot oft gar nicht dort zur Verfügung, wo es gebraucht werden könnte.

Dieser Mangel soll jetzt durch eine «Gemeinsame Informationsplattform Naturgefahren» (GIN) behoben werden, einer gemeinsamen Entwicklung von MeteoSchweiz, dem Bundesamt für Umwelt und dem Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF). Daten aus allen zur Verfügung stehenden Quellen sollen dort zusammengeführt werden, um sie im Falle eines Falles schnell und in kompakter Form den auf regionaler und lokaler Ebene tätigen Naturgefahrenspezialisten zur Verfügung zu stellen.

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